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Review: Mid90s

Mid90s

Trailer

Regie: Jonah Hill
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 85 Minuten

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Regie: Jonah Hill
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 85 Minuten

Wir alle kennen Jonah Hill entweder als Helden diverser Teenie-/Weed-Komödien (“Superbad”, “Beim ersten Mal”, “21 Jump Street”) oder als Hollywood-Darling in Filmen wie “Wolf of Wall Street”. Doch seit neuestem dreht der Mann, der sein Gewicht fast so rasant variiert wie Christian Bale auch Kurzfilme und erstmals auch einen abendfüllenden Streifen , der unter anderem auch bei der Berlinale lief.

In Mid90s befinden wir uns in den 90er Jahren. Stevie (Sunny Juljic) wächst gemeinsam mit seinem älteren Bruder Ian (Lucas Hedges, “Manchester By The Sea”) bei seiner alleinerziehenden Mutter Dabney (Katherine Waterston) auf. Freunde hat er keine und von seinem Bruder wird er oft verprügelt. Auf der Straße trifft Stevie eine Gruppe von Skatern, die ihn so faszinieren, dass er sich selbst das Skaten beibringt und sich dann langsam mit der Truppe anfreundet. Diese besteht aus Ray (Na-Kel Smith), einem aufstrebenden Talent der Szene, “Fuckshit” (Olan Prenatt), der nach jedem gelungenen Trick genau diese Worte sagt, die dann zu seinem Spitznamen geworden sind, “Fourth Grade” (Ryder McLaughlin), der den Intellekt eines Viertklässlers hat, aber am liebsten selbst Filme drehen würde und Ruben (Gio Galicia), der bis dahin der Kleinste der Gruppe war.

Für Stevie, dessen Leben bis dahin aus Videospielen und den CDs seines großen Bruders bestand, eröffnet sich eine vollkommen neue Welt aus coolen Tricks auf illegalen Plätzen, Zigaretten, Alkohol, Parties und Mädels. Durch die ganzen Erfahrungen wirkt auch Stevie sehr viel selbstbewusster und lehnt sich gegen seine Mutter und seinen Bruder auf, allerdings gerät die Gruppe selbst in Zwietracht. Ruben ist über die Aufmerksamkeit, die der mutige Stevie bekommt, sehr eifersüchtig und während Ray noch immer von der Karriere träumt, verliert sich Fuckshit immer mehr zwischen Alkohol und Parties.

Handwerklich ist der Film wirklich beeindruckend gemacht. Jonah Hill verließ sich beim Dreh auf das alte 4:3 Format, wodurch die Kino-Leinwand natürlich nicht ausgefüllt war. Außerdem wurde der Film klassisch auf 16mm-Filmrollen gedreht – was das Werk nicht nur zeitgemäß dargestellt, sondern auch zeitlos wirken lässt. Zum Score von Trent Reznor und Atticus Ross – der absolut gelungen ist, man höre sich beispielsweise “Big Wide World” an – gesellen sich auch authentische Rap-Tracks der 90er, die perfekt ins Bild passen.

So wie bei einigen Jugendlichen die Rebellion oder aber auch das Skaten an sich eine Phase ist, genauso ist auch der Film eine Phase, eine Episode im Leben von Stevie. Genauso abrupt, wie Mid90s beginnt, so endet der Film auch. Ohne Konsequenzen, ohne zu erfahren wie es weitergeht und welche Geschichten nachfolgen. Alle Darsteller liefern eine sehr gute Leistung, angefangen von gestandenen Schauspielern wie der für den Oscar nominierte Lucas Hedges, bis zu fast schon Laien-Darstellern wie Sunny Suljic, der bisher nur in kleineren Rollen zu sehen war.

Auf einigen Seiten wird empfohlen, diesen Film im Schulunterricht zu zeigen. Ich kann mich dieser Empfehlung nur anschließend – natürlich ist die Sprache und der Inhalt sehr derbe. Aber das Gefühl irgendwo dazugehören zu wollen – mit allen Mitteln – oder Erwachsen zu werden wurde schon lange nicht mehr so gut vermittelt, wie in diesem Coming-of-Age-Film.

Wertung: 8/10 Punkte

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