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Review: Lügen macht erfinderisch

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Lügen macht erfinderisch
The Invention of Lying

Regie: Ricky Gervais & Matthew Robinson
Erscheinungsjahr: 2009
Laufzeit: 100 Minuten

Nicht immer schaue ich mir brandaktuelle Filme an, manchmal dürfen es auch bekannte Klassiker sein oder Filme, die zumindest ich mir immer und immer und immer wieder angucken kann, während andere Leute davon tierisch genervt wären. So geht es mir auch mit “The Invention of Lying”, der im Deutschen natürlich wieder einen komplett sinnfreien Titel bekommen hat, weil es scheinbar zu schwer war, den Film einfach “Die Erfindung der Lüge” zu nennen.

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Ricky Gervais, seit “The Office”, also dem britischen Original-“Stromberg” einer meiner Lieblingscomedians, spielt hier Mark Bellison, der in einer Welt lebt, in der die Menschen nicht lügen können. Sie sagen stets die absolute Wahrheit, egal wie direkt und weh sie tut. Keine Notlügen, keine Beschönigungen und keinerlei Fiktion. In den Kinos laufen nur Filme, in denen Erzähler die Fakten der Menschheitsgeschichte erzählen. Mark Bellison schreibt Drehbücher für diese Erzählungen und steht vor seiner Entlassung durch seinen Boss (Jeffrey Tambor), da in seinem zugeteilten Jahrhundert einfach nichts Spannendes passiert ist und dafür wird er nicht nur von seiner Sekretärin Shelley (Tina Fey), sondern auch von seinem Kollegen und Rivalen Brad (Rob Lowe) lächerlich gemacht.

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In der Liebe läuft es auch nicht besonders, da er bei der wunderschönen Anna (Jennifer Garner) nicht landet und sein Nachbar Frank (Jonah Hill) erzählt ihm jeden Tag, dass er sich aufgrund seiner Depressionen umbringen möchte. Mark lebt demnach nicht unbedingt ein tolles Leben. Der Tiefpunkt ist, als er seinen Job tatsächlich verliert und sein Vermieter Kohle sehen will, Mark aber nur noch 300 Dollar auf dem Konto hat.

Als Mark dann zur Bank geht, um sein letztes Geld abzuheben um damit seinen Auszug vorzubereiten, ist die Computeranlage der Bank ausgefallen. Als die Angestellte ihn fragt, wieviel er denn abheben möchte, schießt ihm plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. Warum die tatsächliche Zahl nennen, wenn er auch einfach… lügen kann? Und so spaziert Mark mit genug Geld aus der Bank um seine Miete zu bezahlen, lässt sich die kühnsten Geschichten einfallen um seinen alten Job wiederzubekommen und scheint aufgrund seiner Geschichten auch beim anderen Geschlecht zu landen. Kein Wunder, denn schließlich glaubt ihm Jeder in einer Welt, in der kein Mensch weiß, was eine Lüge überhaupt ist. Jedoch können Marks Behauptungen den schleichenden Tod seiner Mutter nicht aufhalten, und als diese auf dem Sterbebett liegt, erfindet Mark Geschichten über ein Leben nach dem Tod, über ein Paradies voller Glückseligkeit, was allerdings zur Folge hat, dass sich ein regelrechter Kult um ihn entwickelt. Am Ende muss sich Mark entscheiden, ob er weiter ein Leben voller Lügen leben oder versuchen will, Anna für sich zu gewinnen.

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“Lügen macht erfinderisch” ist eine harmlose, kleine Romanze mit einer ziemlich kreativen Grundidee. Wenn man als einziger Mensch in der Lage ist, die Welt glauben zu lassen, was man will, hat man einfach eine ziemlich starke, aber auch gefährliche Macht in seinen Worten. Hinter dem Konzept steht natürlich Gervais’ Kritik an Religionen per sé, die er weder auf seinem Twitter-Account, noch in diesem Film zu verstecken versucht. Gervais ist bekennender Atheist und findet den Glauben an einem höheren Wesen abstrus und zeigt in diesem Film, wie schnell ein Kult um eine Person entstehen kann, die teilweise prophetisch Botschaften in die Welt sendet. Somit ist “Lügen macht erfinderisch” nicht nur eine Liebeskomödie, sondern auch ein kleines bisschen tragisch, ein kleines bisschen kritisch und ein kleines bisschen satirisch. Die stärksten Momente hat der Film allerdings, als der Charakter von Gervais das Lügen erfindet. Dies nutzt er erst zum eigenen Vorteil, bringt dann aber seinen Nachbarn von seinen Selbstmord-Gedanken ab, bringt Paare wieder zusammen und zeigt alle Seiten eines guten Samariters.

Natürlich erfindet der Film nicht das Genre neu, ist aber ein harmloser Streifen, den man sich an einem Sonntag Nachmittag oder einem Abend mal anschauen kann. Neben Gervais glänzen besonders der ewig junge Rob Lowe als schmieriger Gegenspieler, Comedian Louis C.K. ohne seinen Bart als versoffener, bester Freund und in Nebenrollen Philip Seymour Hoffman als Barkeeper und Edward Norton als Polizist.

Wertung: 6/10

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