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Review: Logan

Logan – The Wolverine
Logan

Regie: James Mangold
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 138 Minuten

Vor 17 Jahren schlüpfte Hugh Jackman zwar nicht in das ikonische, gelb-blaue Kostüm aber in die Rolle des mit scharfen Krallen gesegneten, temperamentvollen Wolverine, auch bekannt als “Logan”. Durch die originale X-Men-Trilogie mit Sir Patrick Stewart als Professor X, durch die andere Trilogie mit James McAvoy als Kopf der X-Men und durch seine eigenen Filme schnetzelte sich Jackman in seiner Paraderolle und schien als einer der wenigen Hollywood-Schauspieler seine Rolle so sehr zu lieben, dass er sie fast in allen Filmen des X-Men-Universums spielte. Doch damit ist jetzt – mit “Logan” – Schluss. Ende. Finito. Der letzte Teil mit Hugh Jackman als Wolverine.

Zeitlich spielt der Film fast 50 Jahre nach “X-Men: Apocalypse”, dem bisher letzten Teil der X-Men-Saga. Seit 25 Jahren ist kein Mutant mehr geboren worden, der stark gealterte Wolverine versucht als Chauffeur unscheinbares Leben zu führen und kümmert sich nebenbei um Professor Charles Xavier (Sir Patrick Stewart), der an einer neurodegenerativen Erkrankung leidet. Eines Tages bekommt Logan den Auftrag, die Krankenschwester Gabriela und ein 11-jähriges Mädchen namens Laura (Dafne Keen) nach North Carolina zu bringen. Allerdings ist der militante Donald Pierce (Boyd Holbrook) mitsamt seiner Privatarmee hinter dem Mädchen her, die sich als Wolverine-ähnlicher Mutant entpuppt. Vielleicht sogar der letzte, ihrer Art?

Zunächst fällt auf, wie rau, streckenweise fast schon dystopisch “Logan” wirkt. Staubig, dreckig und vor allen Dingen sehr, sehr blutig. Endlich präsentiert man Wolverine so brachial, wie schon der erste Solo-Streifen des Mutanten hätte sein sollen. Die metallischen Krallen durchbohren Schädel und durchtrennen Gliedmaßen – nicht, dass das notwendig wäre, um einen Film besser zu machen – aber es macht ihn hier sehr viel erwachsener.

Hugh Jackman brilliert als alternder Mutant, der weiß, dass seine Zeit gekommen ist, während auch Patrick Stewart als bettlägeriger Professor unheimlich gebrechlich wirkt. Beide sind auf einer Mission und auch wenn dies mehr oder weniger widerwillig passiert hinterlässt Wolverine auf seinem Weg nach Eden – den Ort in North Dakota, an den er selbst nicht glaubt – einen Pfad der Zerstörung. Zudem schwingt die Vergangenheit über Wolverine und Professor X wie ein Damokles-Schwert, doch es wird nie geklärt, was wirklich dazu geführt hat, dass sie zu den letzten, noch lebenden Mutanten gehören und was mit den ganzen Weggefährten passiert ist.

“Logan” ist ein sehr, sehr düsterer Film mit unheimlich guten Actionszenen und einer wirren Story, die auch nach dem Anschauen viele Fragezeichen zurücklässt, obwohl man zumindest die Geschichte aus der Filmreihe kennt. Außerdem spielt in dem Film ein Mutant die Hauptrolle, doch der Film hat nichts mit den anderen “Superhelden-Filmen” zu tun, bei welchem die Welt gerettet werden muss. Wolverine scheint einfach nur zu überleben, bis er sein letztes Abenteuer abgeschlossen hat.

Der Film zeigt, dass Werke aus dem Marvel-Universum nicht immer bunt, farbenfroh, grell und laut sein müssen – auch wenn es durchaus packende Actionsequenzen gibt. Das Schauspiel von Hugh Jackman und Patrick Stewart ist auf hohem Niveau und könnte zu den besten Superhero-Auftritten aller Zeiten gehören.

Allerdings hat der Film auch seine Macken. So empfand ich Wolverines Aversion gegenüber “Eden” aufgrund der Comicbücher, die die Krankenschwester gelesen hat, als vollkommen an den Haaren herbeigezogen. Der Film ist gut fünfzehn bis zwanzig Minuten zu lang und zieht sich besonders beim großen Fight am Ende einfach ewig. Und so hart es klingt, die schauspielerische Leistung von Dafne Keen als Laura ist in den Actionsequenzen voller CGI fast schon charismatischer, als wenn die Kamera einfach so auf sie drauf hält. Der Charakter hat Potential und soll dieses in weiteren Filmen entfalten – die Chemie hat hier für mich aber nicht gestimmt.

Ist “Logan” einer der besten Superhelden-Filme aller Zeiten? Zumindest ist er ein sehr guter Superhelden-Film, der besonders bei den Leistungen der Schauspieler brilliert. Storytechnisch gibt es einen blutigen Road Trip voller Probleme – viel Krachbumm und ein paar coole Effekte. Aber das steht zur Abwechslung bei einem Marvel-Film mal nicht im Vordergrund.

Wertung: 7/10

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