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Review: Independence Day: Wiederkehr

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Review: Independence Day: Wiederkehr
Independence Day: Resurgence

Regie: Roland Emmerich
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 129 Minuten

Zwanzig Jahre ist es her, dass riesige Alienraumschiffe plötzlich über New York, Los Angeles, Washington D.C. und irgendwelchen anderen unbedeutenden Städten rund um die Welt auftauchten. Das Ziel: Die Zerstörung der Menschheit. Und anschließend weiterziehen und eine andere Lebensform vernichten – einfach, weil sie es können. Die Menschen unter Präsident Whitmore (Bill Pullman) schlugen zurück, vernichteten die Aliens und lebten glücklich und zufrieden in absolutem Frieden.

20 Jahre später schickt Regisseur Roland Emmerich (“2012”, “The Day After Tomorrow”) erneut Aliens gegen Menschen. Und tatsächlich gibt es ein Wiedersehen mit einigen Überlebenden – aber nicht mit allem. Captain Hiller (natürlich nicht im Film dabei: Will Smith), der nicht nur mit seinen Flug-Fähigkeiten ein kleines Raumschiff im Alleingang ausschaltete, einen der Außerirdischen mit seiner Faust gefangen nahm und später eines der UFOs ins Mutterschiff und wieder hinausflog, starb bei einem lächerlichen Testflug. Tatsächlich wurde aus seiner Frau Jasmine (Vivica A. Fox) – die mit Striptease Geld für ihr Medizinstudium verdienen wollte – tatsächlich eine Ärztin und aus seinem Stiefsohn Dylan (Jessie Usher) – natürlich – ein Kampfpilot. Genau wie auch Patricia (Maika Monroe), die Tochter des ehemaligen Präsidenten.

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In den 20 Jahren baute man nicht nur sämtliche Städte mitsamt Wahrzeichen wieder auf – London und Paris waren beispielsweise komplett zerstört, 2016 stehen Tower Bridge und Eiffelturm wieder – sondern die Welt lebt auch in Frieden und gründete gemeinsam die Earth Space Defense. Doch plötzlich taucht eine riesige, außerirdische Kugel am Mond auf, die aus Furcht nach Ansage der amtierenden Präsidentin Lanford (Sela Ward) einfach mal weg geschossen wird. Blöd nur, dass sich am Ende herausstellt, dass diese Kugel die Menschheit nur warnen wollte und stattdessen die Rückkehr der eigentlichen Invasoren bevor steht.

Die Haupthandlung des Films, ohne den kompletten Plot bis ins Detail zu verraten, dreht sich darum dass die Menschheit die Alientechnologie erforscht und mit der eigenen Technologie verbunden hat, am Ende aber dennoch absolut chancenlos sind. Business as usual. Wir sehen zudem noch weitere Charaktere aus dem ersten Teil wie David Levinson (Jeff Goldblum, der in diesem Film verständlicherweise keine Lust hat zu schauspielern), sein verpeilter Vater Julius (Judd Hirsch) oder Dr. Brakish Okun (Brent Spiner), der verrückte Wissenschaftler der Area 51, der nach dem Alienangriff 20 Jahre im Koma lag, plötzlich bumsfidel durch die Gegend rennt und einfach mal die Leitung des Forschungsteams in der Srea 51 übernimmt. Aus dem Koma direkt auf den Chefsessel, wie man das so macht.

Aber auch neu eingeführte Helden wie Jake Morrison (Liam Hemsworth), der rebellische Pilot, der zudem noch mit Patricia zusammen ist und sein bester Freund Charlie (Travis Tope), die im Film so sehr zum Vergessen sind, dass man sie auch nach dem Lesen dieses Absatzes auch einfach aus dem Gedächtnis streichen kann.

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Die Charaktere haben miteinander keinerlei Chemie und grauenvoll schlechte Dialoge. Jake rettet Charlie und sagt “Du kannst mir später danken.” Charlies Antwort? “Ich dank dir jetzt gleich!”. Aha. Während der erste Film noch vom Charisma von Will Smith und lustigen One-Linern lebte, sind die Dialoge in diesem Film einfach nur eine Katastrophe. Besonders fällt dies bei Dikembe Umbutu (Deobia Oparei), einem kongolesischen Warlord und dem für die Story vollkommen irrelevanten Buchhalter Floyd (Nicolas Wright) auf, die als ungleiches Pärchen permanent zusammen hängen und irgendeine Comedy fabrizieren wollen, aber einfach nur zum Kopfschütteln anregen. William Fichtner wurde übrigens auch in den Film gedrängt, mein Beileid.

Vor allem gibt es auch so viele Logikfehler in diesem Film, dass es schwer fällt, die aufzuzählen. Zwanzig Jahre hat man also Zeit sich auf die Rückkehr der Invasoren vorzubereiten. Man verschwendet die Zeit um Wahrzeichen wieder aufzubauen, anstatt am Rande des Sonnensystems vielleicht ein Frühwarnsystem zu installieren, damit man nicht erst wieder reagieren kann, wenn die Aliens 30 Meter vor der Erde stehen.

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Man verbaut Alientechnologie und kommt mit dem fettesten Antrieb innerhalb von 30 Sekunden zum Mond, man schießt blaue Laser ab, aber das Essentielle, was die Aliens vor 20 Jahren überhaupt erst überlegen machte – das Schutzschild – das hat man nicht entwickelt?

Im ersten Teil sprach Präsident Whitmore – nachdem einer der Außerirdischen in seinen Kopf eindrang – davon, dass die komplette Zivilisation der Aliens von Planet zu Planet zieht und diese zerstört. In diesem Teil gibt es dann nach dem Mutterschiff des ersten Teils – welches Will Smith und Jeff Goldblum mit Zigarre im Mund zerstörten – natürlich noch ein viel größeres Mutterschiff… wo dann auch tatsächlich eine Mutter drin ist. Dies ist dann auch ein sogenanntes Ernteschiff, welches nicht nur halb so groß ist, wie die gesamte Erde, sondern zusätzlich mit einem Strahl durch die Erde bis zum Kern bohrt um diesen abzuzapfen, weil die Aliens plötzlich Energie benötigen. Merkwürdigerweise gab es so ein riesiges Schiff im ersten Teil nicht, aber scheinbar gab es da – zumindest laut diesem Teil – auch ein Ernteschiff, weil 20 Jahre unbemerkt vom Rest der Welt irgendwo im afrikanischen Busch ein kleineres Exemplar sogar landete und ebenfalls versuchte, bis zum Kern zu bohren. Wie gut, dass das Niemand mitbekommen hat.

Diese Bohrung findet im zweiten Teil übrigens mitten im Atlantik statt. Also selbst, wenn die Bohrung aufgehalten wird, ist da ein Loch von einer Meile Durchmesser mitten im Atlantik bis kurz vor dem Erdkern. Ich bezweifle, dass das gut ist.

Die Königin kassiert im Filmverlauf noch eine Kernfusionsbombe mitten ins Maul, aber konnte selbstverständlich rechtzeitig ihre persönlichen Schilde hochfahren. Später ballert Patricia mit ihrem Flieger drauf, brüllt etwas rum, das Schild schaltet sich ab. Warum auch immer. Sie – also die Königin der außerirdischen Wesen, schießt Flugzeuge mit einer unnachahmlichen Präzision aus der Luft, rennt aber eine Viertelstunde wie bescheuert einem Schulbus hinterher, wo ein paar Kinder mit Goldblums Vater herumcruisen.

Dem Film zugute halten kann man, dass er der wahrscheinlich politisch korrekteste Film aller Zeiten ist. Wir haben zeitweise eine weibliche Präsidentin, wir haben einen durchgemischten Cast. Die Kampfpiloten sind männlich weiß, männlich schwarz, weiblich weiß und weiblich asiatisch. Der Wissenschaftler Dr. Brakish Okun stellt sich zum Ende des Films als homosexuell heraus. Bloß keine Diskussion aufkommen lassen, alles ist vertreten.

Der Film ist entsetzlicher Müll, der in keiner Minute irgendeinen Spaß macht. Selbst die Actionsequenzen in den knapp zwei Stunden sind sehr sporadisch gesät und haben nicht sonderlich gefallen. Die vollkommen an den Haaren herbeigezogene Story, die Logiklöcher und die Tatsache, dass man am Ende aus den Gejagten die Jäger machen will um ein neues Franchise zu schaffen. Vor allem die Tagline: “We’ve had 20 years to prepare”. ZWANZIG JAHRE. Und ihr kommt mit so einem Mist daher?

Nach Filmen wie “Wild Wild West”, “After Earth” und Co. und seiner Absage an “Matrix” (Japp, er sollte Neo spielen) hat Will Smith hier doch tatsächlich mal die richtige Entscheidung getroffen. Und an alle, die sich das aus nostalgischen Gründen überlegen: Vermeidet diesen Film um jeden Preis.

Wertung: 1/10 Punkte

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