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Review: Fighting With My Family

Fighting With My Family

Regie: Stephen Merchant
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 108 Minuten

Es besteht ein himmelweiter Unterschied zwischen Filmen über das Wrestling und Filmen mit Wrestlern. Während das Erstgenannte mit “The Wrestler” von Darren Aronofsky durchaus ein gut gemachter und anschaubarer Film über einen alternden Superstar war, lieferten die Wrestler selbst in den meisten Filmen eher bodenlos schlechte Leistungen ab. Ausnahmen bestätigten die Regel. Und es dauerte auch sehr lange, bis aus The Rock – dem mehrfachen WWE-Champion – Dwayne Johnson, die Hollywood-Granate wurde. Auf durchaus anschaubare Filme wie “Jumanji” oder “Central Intelligence”, sowie die erfolgreiche Fast & Furious-Reihe kommt eben auch die “Zahnfee auf Bewährung” oder was auch immer “Skyscraper” sein wollte.

Nun produzierte The Rock also einen Film über die Karriere einer Wrestlerin, der auf ihre wahre Lebensgeschichte beruht. Der steinige Weg von Paige, hier gespielt von Florence Pugh, der als Saraya Knight in die Wrestling-Familie von Ricky (Nick Frost) und Julia Knight (Lena Headey, “Cersei Lannister”) hineingeboren wird. Das Wrestling im Blut steigt sich schon im Kindesalter gegen ihren Bruder Zak (Jack Lowden, ist der eigentlich der kleine Bruder von Simon Pegg?) vor vielleicht zwanzig Zuschauern an und erweckt die Aufmerksamkeit der WWE-Offiziellen.

Wer es nicht weiß: WWE steht für die größte Wrestlingcompany der Welt, ein Gigant im Entertainment-Bereich aus Nordamerika. Wo Wrestler zu Superstars werden, wo aus Kämpfern Legenden werden. Hulk Hogan, The Undertaker, Bret Hart, Shawn Michaels, Steve Austin… und Paige? Zumindest schafft sie es im Gegensatz zu ihrem Bruder den Coach Hutch (Vince Vaughn) zu überzeugen und wird nach Florida zur Entwicklungsliga NXT eingeladen, wo sich das kleine, blasse Goth-Chick gegen die blonde Supermodels behaupten muss – natürlich mit dem Ziel vor Augen, irgendwann selbst im WWE-Ring vor einem Millionenpublikum anzutreten.

Was will dieser Film sein? Eine Unterhaltung für Nicht-Wrestlingfans ist schwer, denn es wird mit so viel Fachjargon um sich geschmissen, dass es für Laien sicher nicht einfach ist, zu folgen. Aber vielleicht reicht es ja auch aus, wenn die Thematik oberflächlich behandelt wird. Absolute Kenner des Geschäfts und besonders der Karriere werden sich über etliche Fehler und ausgelassene Kapitel von Paiges Karriere eher aufregen. Wobei es durchaus Sinn ergibt, dass man es einfach komplett ausblendet, dass Paige bei NXT ordentlich durchgestartet ist und sogar als erste Trägerin des NXT Women’s Title Geschichte schrieb.

Unwahr ist es allerdings, dass Paige sich gegen die Model-Konkurrenz durchsetzen musste und sie quasi eine Revolution entfachte, die dazu führte, dass WWE davon absah, hübsche Models zu Wrestlerinnen zu machen und stattdessen tatsächlich Frauen in den Ring schickte, die das auch können. Tatsächlich negiert der Film hier komplett die Geschichte von AJ, die noch ein paar Jahre vor Paige tatsächlich mit diesen Problemen zu kämpfen hatte und im letzten Akt des Filmes eben auch gegen Paige antreten muss. Warum man hier verzichtet, AJ Lee (durch Thea Trinidad, inzwischen selbst als “Zelina Vega” selbst unter WWE-Vertrag) wenigstens originalgetreu nachzustellen und stattdessen Vega in ein hübsches, aufreizendes Outfit steckt, ist mir zwar nicht schleierhaft, aber stößt mir sauer auf, weil es klar macht, dass man Paige hier nachträglich in eine Rolle drücken will, die sie so nicht ausgefüllt hat.

Während die Zeit bei NXT/WWE und das gesamte Drumherum im Film meines Erachtens nach sehr schlecht gelungen ist, ist die Zeit vor dem großen Vertrag wesentlich spannender. Die Geschichten der durchaus auch im echten Leben durchgeknallten Knight-Familie, das britische Independent-Wrestling in den Kinderschuhen und die Vorurteile, denen man sich nicht nur als Wrestlingfan, sondern auch als Wrestler gegenüber sieht, sind sehr gut dargestellt.

Wer im Übrigen dafür verantwortlich war, Vince Vaughn in der Rolle des komplett fiktiven Coaches zu casten, gehört ein ordentlicher Dropkick verpasst. Vince Vaughn ist bekannt für sein trockenen Humor, bei dem er Witze verteilt ohne je das Gesicht zu verziehen. “Old School”, “Dodgeball”, “Die Hochzeits-Crasher” – kann man sich alle durchaus ansehen. Jetzt stelle man sich aber trockenen Humor ohne Humor vor. Dann ist es einfach trocken. Und genauso so ist Vince Vaughn in absolut jeder Szene, wenn die Kamera auf ihn gerichtet ist.

Der Film ist in meinen Augen ein zweischneidiges Schwert – einerseits wird eine Geschichte konstruiert, bei der man einfach viel mehr Authenzität und Liebe zum Detail hätte erwarten können. Andererseits gibt es einen interessanten Einblick hinter die Kulissen – und ein paar kleine Szenen mit Dwayne Johnson als The Rock, in denen er nicht einmal schauspielern muss und durch seine Popularität hoffentlich ein, zwei Leute mehr ins Kino gelockt hat.

Oberflächlich wird man mit dem Film ein bisschen Spaß haben. Aber detailreiche Echtheit darf man scheinbar nicht erwarten und so fällt es mir als Wrestlingfan schwer, eine uneingeschränkte Empfehlung auszusprechen.

Wertung: 5/10

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