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Review: “Drones” von Muse

MuseDronesCover

Viel, viel, viel habe ich im Vorfeld über “Drones” gepostet, geteilt, geredet und geschrieben und jetzt ist es endlich da, das siebte Studioalbum von MUSE. Nachdem das Trio in den vergangenen beiden Alben “The Resistance” und “The 2nd Law” viel herumexperimentiert haben – und ich ihnen den Ausrutscher zum Dubstep noch nicht ganz verziehen habe – wollten sich Matt Bellamy, Christopher Wolstenholme und Dominic Howard wieder auf die rockigen Wurzeln berufen. Schon mit dem ersten Song “Psycho” wurde dies eindrucksvoll gezeigt, aber wurde diese Linie kontinuierlich durchgezogen?

Vorab sei gesagt, dass einige Journalisten wohl darüber überrascht waren, dass “Drones” ein Konzeptalbum mit einem durchgehenden Thema sei. Ist ja nicht so, als wäre “Black Holes and Revelations” schon ein äußerst politisches Album gewesen und diverse Weltraum-Topics hätten sich durch Titel und Lyrics gezogen, aber okay. “Drones” dreht sich laut Bellamy um Themen wie die ganzheitliche Umwelt- und Naturphilosophie “Tiefenökologie” http://de.wikipedia.org/wiki/Tiefen%C3%B6kologie, das fehlende Einfühlungsvermögen der Menschen, Kontrolle, sowie den dritten Weltkrieg. Bellamy beschrieb “Drones” als Geschichte eines Individuums, welches durch moderne Technologie – wie eben Dronen und was diese in der Ferne anrichten können, sodass man persönlich von den Konsequenzen unberührt bleibt – kein Einfühlungsvermögen besitzt und in einer Welt lebt, die von Robotern regiert wird und ihn zu einer willenlosen Kampfmaschine gemacht hat.

Um die komplette Story zu erfassen, die sich tatsächlich von Anfang (“Dead Inside”) über seinen Hilferuf (“Mercy”) bis hin zur Rückkehr der Liebe (“Aftermath”) zieht, muss man nicht nur das Album an-, sondern ganz genau zuhören.

Musikalisch schaffen Muse den Spagat und erinnern größtenteils an ihre mittlere Schaffensphase. “Psycho” hat beispielsweise den ähnlich, treibenden Beat wie “Uprising” auf “The Resistance”, ist sehr repetitiv und wird von Ansagen eines Drill Sergeants gestützt, welche an “Apocalypse Now” erinnern. Nach dem doch eher funkigen “Dead Inside” bringt “Psycho” das Album dann also in eine etwas härtere Schiene, aus welchem “Mercy” dann wieder herausbricht. Klassischer Radiorock mit leidendem Gesang, der in Anbetracht der Ankündigung vielleicht ein wenig zu weich wirken könnte, im Kontext des Albums aber gut passt.

Schneller und heftiger wirds dann mit “Reapers”, bei dem mehrere Gitarrensolis nicht fehlen dürfen. Der Song geht ordentlich nach vorne und ist bis hierhin der wohl stärkste Song des Albums, lebt sich in seinen knapp sechs Minuten aber auch ordentlich aus. Bei der 3-Minuten-Marke erinnert mich die Bassline übrigens an den Anfang von “Around the World” der Red Hot Chili Peppers.

Sich auf alte Stärken besinnen heißt bei Muse im Übrigen nicht beschränken oder gar die Experimente abstellen. Was Matthew Bellamy aus seiner Gitarre herausholt, während er singt, ist immer wieder beeindruckend. So etwa auch bei “The Handler”, bei dem dann letztendlich auch das kleine Solo ab 2:20 Minuten großen Spaß macht. “Defector” anschließend ist die größte Hommage an Queen seit dem kompletten “The Resistance”-Album.

Das Album geht dann in seine eher hoffnungsvollere Phase der Geschichte, welches sich auch in den Songs wiederspiegelt. Herausstechend ist mit “Aftermath” noch einer der ruhigsten Songs, die ich jemals von Muse gehört habe. Eine verspielte Rockballade, bei der Bellamy mit seinem Gesang punkten kann.

“The Globalist” ist wieder einmal ein Beweis, dass die Jungs eigentlich dafür gemacht worden sind, ein komplettes Musical zu schreiben, denn in zehn Minuten liefern sie noch einmal einen kompletten, imposanten Überblick über die Grundstimmung des Albums, doch selbst damit ist noch nicht Schluss. Der Titeltrack ist ein Acapella-Stück von Muse als Chor (und damit wieder etwas, was man von Queen kennt). Mehrstimmig, im Kanon, zauberhaft.

Gibt es etwas, dass Muse nicht können? Straighter Rock. Dubstep. RnB mit “Undisclosed Desires”. Orchester. Stadionrock. Funk. Das Talent, welches die Jungs um Bellamy besitzen, ist unbestreitbar. Dass sie die legitimen Nachfolger von Freddie Mercury, Brian May, Roger Taylor und John Deacon sind, ebenso. Auch Queen haben viel rumexperimentiert und ab und an ist da auch Mist bei rausgekommen (“Hot Space”…). Dennoch muss man Muse als eine der besten Bands dieser Generation nennen, sieben gute bis fantastische Alben sind das beste Argument dafür. Und “Drones” reiht sich locker in den besseren Alben der Briten ein.

Tracklist:
01. Dead Inside*
02. [Drill Sergeant]
03. Psycho
04. Mercy*
05. Reapers*
06. The Handler
07. [JFK]
08. Defector
09. Revolt
10. Aftermath*
11. The Globalist
12. Drones

Mit einem * markierte Tracks sind meine Anspieltipps.

 

Wertung: 8/10

Das Album bei Spotify öffnen: Link

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