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Review: Doctor Strange

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Doctor Strange

Regie: Scott Derrickson
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 115 Minuten

Puh, schon wieder ein Superhelden-Film? Echt jetzt, Marvel? So oder so ähnlich könnten die Gedanken lauten von Kinogängern, die jetzt schon keine Lust mehr auf die verworrenen Geschichten rund um Iron Man, Captain America, Thor und Co. haben. Mit Doctor Strange führt man einen neuen Charakter ein, der bisher im Marvel Cinematic Universe nur ein einziges Mal in einem Nebensatz erwähnt wurde. Jetzt bekommt er seinen eigenen Film und wird auch eine Rolle im kommenden Infinity War spielen, doch zuvor muss natürlich erzählt werden, wie aus dem vielleicht begabtesten, aber vielleicht auch arrogantesten Neurochirurgen ein willenstarker Magier wird.

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Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch, “Sherlock”, “The Imitation Game”) schwimmt in Erfolg, Reichtum und seiner Selbstgefälligkeit. Kugeln holt er fast freihändig aus den Köpfen seiner Patienten heraus, er hat die tollsten Autos und es auch noch nicht geschafft, seine Kollegin und ehemalige Liebschaft Christine Palmer (Rachel McAdams) gegen sich aufzubringen. Stranges Hände sind sein Kapital, als er dann allerdings nach einem schwerwiegenden Autounfall ohne Gefühl, dafür aber mit etlichen Schrauben und Fixierungen in den Händen aufwacht, ändert sich alles. Seine Arbeit kann er vergessen, er schafft es nicht einmal, sich alleine zu rasieren. All sein Geld investiert er in den Genesungsprozess, doch die Heilungschancen tendieren gegen Null. Während Christine sich um ihn kümmert, vergrößert dies nur seine Frustration, da sie sich mit seiner Situation abzufinden versucht, aber noch immer um sein altes Leben kennt. Es kommt zum Streit und in einer letzten Verzweiflungsaktion reist Strange nach Kathmandu in Nepal. Dort befindet sich Kamar-Taj, wo ein querschnittsgelähmter Mann einst vollständig geheilt wurde.

Hier trifft Strange auf die Älteste (Tilda Swinton) und ihren Schüler Mordo (Chiwetel Ejiofor), die ihn in die Lehren der Magie und der alternativen Dimensionen einführen. Stranges Arroganz hindert ihn zu Beginn daran, Erfolge zu feiern, doch mit Willenskraft und viel Arbeit schafft er es doch, die Grenzen zu durchbrechen und seine Kräfte zu kontrollieren. Er erfährt, dass sich einst ein Schüler namens Kaecilius (Mads Mikkelsen) gegen die Älteste gewandt und Seiten aus den Büchern der Bibliothek gestohlen hat, um die dunkle Dimension zu studieren und die Unsterblichkeit zu erlangen. Doch der Diebstahl alleine reicht Kaecilius nicht, er plant die gesamte Erde in die dunkle Dimension zu ziehen und sie dem bösen Wesen Dormammu zum Fraß vorzuwerfen. Und so kommt es natürlich zur magischen Konfrontation zwischen der Ältesten, Mordo, Strange und dem bösen Magier und seinen Gefolgsleuten.

In Nuancen erinnert “Doctor Strange” an die Einführungsgeschichte von Tony Stark im ersten “Iron Man”. Stephen Strange und Stark hätten sich vor ihrer Superhelden-Karriere wahrscheinlich blendend verstanden, weil sie beide arrogante, im Geld schwimmende Arschlöcher waren. Doch wie Stark macht auch Strange einen Wandel im Film durch, bei welchem die Motivation vielleicht etwas zu kurz kommt. Stranges ursprüngliches Ziel ist es, seine Hände wieder richtig benutzen zu können. Dass er dann seine Kräfte auch tatsächlich so gravierend beherrscht und sich ohne mit der Wimper zu zucken gegen Kaecilius stellt, kommt ein wenig plötzlich – andersherum hätte es den Film aber auch vielleicht unnötig in die Länge gezogen. Jedoch ist es an manchen Stellen auch ein wenig unrealistisch, so versucht Kaecilius mit zwei Gefolgsleuten einen wichtigen Tempel zu zerstören und murkst den hiesigen Tempelwächter in Sekunden ab, während Strange trotz geringem Training ganz gut mithalten kann. Hier bekommt Strange dann auch seinen Mantel, der für etliche Lacher sorgt und ein wenig an den eigenwilligen Teppich in Disney’s “Aladdin” erinnert.

Darüber bietet der Film ein wahres Effektfeuerwerk. Das letzte Mal, dass mich ein Film auch nur annähernd so von den reinen Spezialeffekten so geflasht hat, war teilweise “Inception” (“Doctor Strange” schlägt den Film allerdings um Längen) und im Gesamten der erste “Matrix”-Teil. Sich verschiebende Gebäude, drehende Wände, Kämpfe über mehrere (Zeit-)Ebenen – “Doctor Strange” ist hinsichtlich der Optik nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch unglaublich innovativ. Vom reinen Cast und de, Potential der Schauspieler dürfte “Doctor Strange” einer der ambitioniertesten Filme sein, den Marvel im MCU zu bieten hat. Rachel McAdams (“Alles eine Frage der Zeit, “Sherlock Holmes”-Verfilmungen mit Robert Downey Jr.) überzeugt in nahezu jeder Rolle, Chiwetel Ejiofor war nicht grundlos für “12 Years a Slave” für den Oscar und Golden Globe nominiert, Tilda Swinton (“Michael Clayton”, “The Grand Budapest Hotel”) ist eine Institution und Mads Mikkelsen überzeugt nicht zuletzt als Dr. Hannibal Lecter in der Serie “Hannibal”.

Die Geschichte folgt natürlich einem bestimmten Schema, macht aber dabei alles richtig, nur manchmal etwas zu rasant. Zwischendurch wird viel mit Humor aufgepeppt, von dem die besten Szenen noch nicht einmal – wie sonst üblich – im Trailer zu sehen waren. Ich habe tatsächlich nicht viel von “Doctor Strange” erwartet, war aber – nicht nur visuell – positiv sehr überrascht. Astreines Popcorn Kino für das Auge, ein Film, bei dem vieles durchaus bekannt wirkt, aber doch irgendwie ganz frisch ist und einen ganz eigenen Charme besitzt.

Wertung: 8/10

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