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Review: Der König der Löwen

Der König der Löwen
The Lion King

Trailer
Regie: Jon Faveau
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 118 Minuten

Er ist vielleicht einer der unterschätztesten Menschen in Hollywood: Jon Favreau. Als Schauspieler war er in Nebenrollen zu sehen, wie etwa in “Helden aus der zweiten Reihe” oder “All Inclusive” und wenn man sein Gesicht sieht, denkt man am ehesten an Happy Hogan aus dem Marvel Cinematic Universe.

Lustig, dass es ohne ihn wahrscheinlich gar kein MCU geben würde, denn während “Spider-Man: Far From Home” der 23. Film der Saga war, drehte Favreau vor gut 11 Jahren den Anfang: “Iron Man”. Heute gehört Marvel zu Disney und auch Favreau ist vom ehemaligen, reinen Animationsstudio nicht mehr wegzudenken, seitdem er “Das Dschungelbuch” als Real-Verfilmung auf die Leinwand brachte. Während sowohl dort, als auch in “Cinderella” oder “Aladdin” immerhin reale Schauspieler vor den Green Screens rumturnten, wird der Aufnahmeprozess beim Remake von “Der König der Löwen” ein wenig anders gewesen sein, der Cast kann sich aber sehen lassen.

Bunt durchgemischt, doch hier haben wir nichts davon.

Beyoncé als erwachsene Nala, Donald Glover (Childish Gambino) als erwachsener Simba, John Oliver spricht Zazu, Seth Rogen ist Pumbaa, Chiwetel Ejiofor spricht Scar und tatsächlich darf Darth Vaders Stimme James Earl Jones zurückkehren und erneut Mufasa sprechen. Im Deutschen hat man natürlich nichts davon, stattdessen bekommen alle Charaktere Stimmen, denen man nur mit Mühe einen gewissen Widererkennungswert zusprechen kann. Pumbaa wird beispielsweise nicht von Seth Rogens üblicher Synchronstimme Tobias Kluckert gesprochen, sondern von Daniel Zillmann, der sonst in unzähligen Nebenrollen in kleineren Filmen zu sehen war. Torsten Michaelis hatte in seinem Leben noch nie etwas mit Chiwetel Ejiofor zu tun, übernimmt dennoch die Sprechrolle von Scar. Einzig Magdalena Turba als erwachsene Nala kehrt aus dem Zeichentrick zurück, denn 1994 durfte sie bereits die junge Nala sprechen. Sehr nette Anekdote.

Zum Film muss man eigentlich wenig sagen, denn gefühlt hat die ganze Welt “Der König der Löwen” bereits gesehen. Ich allerdings erst vor ein paar Jahren, weswegen mein Nostalgie-Faktor gar nicht so hoch ist, wie bei den Disney-Jüngern, die mit der Simba-Saga aufgewachsen sind. Aber auch hier ist es wie im Original: Simba, der Sohn von Mufasa und Sarabi, ist ein neugieriger, gleichzeitig aber auch aufmüpfiger Löwe, der eines Tages in die Fußstapfen seines Vaters steigen und über das geweihte Land regieren soll. Damit ist er gleichzeitig seinem Onkel Scar ein Dorn im Auge, der alles daran setzt um auf den Thron zu steigen und dabei sogar eine Allianz mit den verschlagenen Hyänen eingeht. Mufasa stirbt bei einem hinterlistigen Komplett von Scar und Simba fühlt sich verantwortlich. Der kleine Löwe verlässt das geweihte Land, während Scar als skrupelloser König regiert, und wächst bei dem Warzenschwein Pumbaa und dem Erdmännchen Timon auf. Das Leben ist frei von Sorgen, bis Simbas Jugendfreundin Nala auftaucht und Simba auffordert, sich seinen rechtmäßigen Thron zurückzuholen.

Es heißt die Sorgen bleiben dir immer fern.

Die Neuverfilmung von “Der König der Löwen” ist eigentlich nur eine andere Art von Animationsfilm, bei der ich mir definitiv ein paar Features anschauen will, wie der Film eigentlich entstanden ist. Denn weder wirkt es, als wäre irgendwas per Motion Capturing aufgenommen worden, noch scheint man sogar auf Gesichtsstrukturen komplett verzichtet zu haben, wie es sonst bei bekannten Schauspielern in CGI-Rollen üblich ist. Und vielleicht ist auch das der Grund, warum die Tiere allesamt sehr realistisch aussehen – also wirklich so gut, wie selten ein animiertes Tier in einem Film – aber gleichzeitig auch recht emotionslos wirken.

Simba wird zwischendurch von seinem Vater zurechtgewiesen, als er sich unerlaubterweise in ein dunkles Gebiet vorwagt und von Mufasa gerettet werden muss. Während Simba im Original reumütig und bemitleidenswert dreinschaut, starrt Simba in diesem Film hier einfach seinen Vater an. Wie groß der Unterschied zwischen den beiden Version wirkt, kann man sich in diesem Video anschauen, in welchem der Künstler Nikolay Mochkin die Charaktere in diesem Remake ein bisschen anpasst, sodass sie mehr wie der Zeichentrick aussehen.

Keiner nimmt uns die Philosophie.

Ich kann die Dialoge des Zeichentricks nicht nachsprechen, habe mir aber sagen lassen, dass teilweise sehr wichtige Stellen zumindest im deutschen Script angepasst worden sind – und das zum Negativen. Allerdings sind besonders im Falle von Timon und Pumbaa einige Gags und auch Liedzeilen durchaus positiv geändert worden und sorgen so für neue Lacher, auch wenn man nicht zwingend mitsingen kann.

Gut finde ich allerdings, dass im Gegensatz zu “Aladdin” die wesentliche Grundstimmung der Songs beibehalten wurde und abgesehen von teilweise geänderten Texten noch immer die Nostalgie durchkommt und man sich nicht die ganze Zeit wundert, was da eigentlich gerade aus den Lautsprechern kommt. Allerdings hat eine Gladys Mwachiti nicht die Stimmgewalt einer Jocelyn B. Smith und deswegen wirkt besonders der erste Song “Der ewige Kreis” halt nicht so kraftvoll, wie man es gewohnt ist. Generell fehlt zumindest dem deutschen Soundtrack eine ganze Menge Herz, eine ganze Menge Kraft und eine riesige große Menge Soul, was einfach perfekt zum Original gepasst hat.

Last Week Tonight with Zazu

Mein heimliches Highlight im Film war Zazu, bei welchem Axel Malzacher (Stimme von Cary Elwes in “Robin Hood – Helden in Strumpfhosen” oder Ken Jeong in “Hangover”) einen fantastischen Job gemacht hat. Ich habe mir ein paar Ausschnitte von John Oliver angesehen, Malzacher tritt definitiv in seine Fußstapfen und haucht dem Nashornvogel ein charmantes Leben ein.

“Der König der Löwen” ist definitiv besser als “Aladdin” und auch wenn man in das Original verliebt ist, kann man ihn sich gut anschauen. Allerdings krankt der Film – der so dermaßen auf Emotionen basiert – am Ende genau daran, dass die Seele ihm fehlt und selbst ein zerranztes Warzenschwein nur dann irgendeine Reaktion zieht, wenn man es als kleines Schweinchen sieht.

Insgesamt habe ich mich durchaus unterhalten gefühlt und Jon Favreau hat einen recht guten Job gemacht, den Film erneut zu interpretieren. Nicht neu, aber schon im gleichen Stil. Einige Szenen wurden anders dargestellt und dennoch kopiert und hier und da sagte auch die Gänsehaut “Hallo”. Das kann aber durchaus auch am Score von Hans Zimmer gelesen haben, sowie an den beeindruckenden Landschaften oder aber doch irgendwelcher Erinnerungen an das Original. Dennoch: Ich würde sagen, dass man sich den Film durchaus einmal anschauen kann.

Wertung: 6/10 Punkte

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