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Review: Coco – Lebendiger als das Leben!

Coco – Lebendiger als das Leben!
Coco

Trailer
Regie: Lee Unkrich
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 105 Minuten

Ich kann gar nicht erklären, wieso – aber irgendwie ist “Coco” vollkommen an mir vorbeigegangen. Allerdings ist mir aufgefallen, dass ich in den letzten Jahren nahezu auf jeden (reinen) Pixar-Film, den ich gesehen habe (“Alles steht Kopf”, “Oben”, “Die Unglaublichen 2”, “Findet Dorie”) auch mindestens einen der Streifen eben nicht gesehen habe. Während ich bei “Arlo & Spot” oder “Cars 3” nicht glaube, dass ich irgendwas verpasst habe, hatte ich “Coco” wirklich lange ungesehen im Regal stehen, noch länger auf meiner Liste und ärgere mich richtig, dass ich ihn nicht im Kino gesehen habe.

Todo para la familia

Wir reisen nach Mexiko, genauer gesagt nach Santa Cecilia am Día de los Muertos, wo der 12-Jährige Miguel (Anthony Gonzalez) davon träumt, ein Musiker zu werden. Doch Musik ist in seiner Familie verboten, seit sein Ur-Ur-Opa die Familie zugunsten seiner Passion verließ und nie zu seiner Frau oder seiner Tochter Coco zurückkehrte. Während seine Großmutter Abuelita (Renée Victor) möchte, dass Miguel die Familientradition fortsetzt und Schuhe herstellt, will dieser lieber in die Fußstapfen des berühmten Musikers Ernesto de la Cruz (Benjamin Bratt) steigen und flüchtet um an einem Musikwettbewerb teilzunehmen. Hierzu braucht er aber die Gitarre von Ernesto, bricht in sein Mausoleum ein und wird plötzlich in das Land der (Un-)Toten gezogen. Aufgrund seines Diebstahls wurde Miguel verflucht und muss sich nicht nur mit tollpatschigen Skeletten wie Héctor (Gael García Bernal), sondern auch seiner verstorbenen Familie herumschlagen, bevor er wieder in seine eigene Welt zurückkehren kann.

Natürlich steht die Musik bei “Coco” im Vordergrund – und so gibt es wahnsinnig viele, aber auch sehr schöne Musik, die thematisch passend natürlich oft dem Mariachi-Genre zugeordnet wird. Was mich an dem Film allerdings noch mehr beeindruckt hat ist, wie farbenfroh alles aussieht. Nicht nur in der Welt der Lebenden, sondern auch in der Welt der Toten. “Coco” ist so dermaßen kräftig, so zauberhaft. Mein erster Gedanke war: “Oh, ich wünschte Aladdin hätte so ausgesehen” und es stimmt!

Farbenprächtiges Jenseits

In Mexiko zelebriert man den “Día de los Muertos”, der leider nach und nach kommerzialisiert wird. Doch vom Grundprinzip kommen die Toten an diesem Feiertag zurück, um mit den Lebenden ein frohes Wiedersehen zu Musik und Tanz zu feiern. Und genau dieses Lebensgefühl wird in “Coco” wundervoll rübergebracht.

Während der Film natürlich die Hauptgeschichte nach dem Schema F mit obligatorischem “Twist” darstellt, geht die Handlung aber sehr viel tiefer, als man es in einem FSK 0-Film erwarten darf. Die Toten wollen nicht vergessen werden und klammern sich daran, dass man sich an sie erinnert, weil dies sonst verheerende Folgen haben wird. “Coco” zeigt eine vollkommen andere Kultur und Pixar hat bereits in “Vaiana” gezeigt, dass sie mit indigenen Kulturen sehr respektvoll umgehen können.

Miguel ist ein sehr liebenswerter Charakter mit nachvollziehbaren Motiven, der niemals dumm wirkt. Willenstark, vielleicht auch etwas stur (liegt wohl in der Familie), aber mit einem Traum vor Augen, den er Erfüllen will, trotz aller Widrigkeiten. Und tatsächlich sind die Motive nahezu jeder Person relativ nachvollziehbar – abgesehen von Familienzwistigkeiten im Land der Toten, die man in den letzten Jahrzehnten sicher irgendwie hätte ausräumen können.

Dennoch bietet “Coco” enorm viel fürs Auge, die für Ohren und ist einer der liebevollsten und schönsten Animationsfilme, die ich jemals gesehen habe. Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte dies schleunigst nachholen!

Wertung: 9/10 Punkte

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