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Review: Burning

Burning
버닝

Trailer

Regie: Lee Chang-dong
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 148 Minuten

Tatsächlich ist südkoreanisches Kino für mich nicht so ein abstrakter Gedanke, wie es bei anderen Leuten wahrscheinlich der Fall ist. Der originale “Oldboy” von Park Chan-wook aus dem Jahr 2003 gehört tatsächlich zu meinen Lieblingsfilmen. Ob “Shiri”, “I’m a Cyborg, But That’s OK”, “Joint Security Area” oder “Sympathy for Mr. Vengeance” – ich habe schon ein paar gesehen und war meistens doch sehr angetan von der komplett anderen Art, Geschichten zu erzählen.

In “Burning” geht es um die Welt aus den Augen von Lee Jong-su (gespielt von Yoo Ah-in), der in der Grenzstadt Paju kleinere Jobs erledigt, aber von einer Karriere als Schriftsteller träumt. Er trifft eines Tages auf Hae-mi (in ihrer ersten Filmrolle überhaupt: Jeon Jong-seo), die als Promoterin arbeitet und sich mit Jong-su unterhält. Es stellt sich heraus, dass sich die Beiden eigentlich seit ihrer Kindheit kennen, dann aber aus den Augen verloren haben. Sie plant einen Kurzurlaub nach Afrika und bittet Jong-su in der Zeit auf ihre Katze aufzupassen. Er willigt ein und zwischen den Beiden entwickelt sich vorher eine kleine Romanze, die Jong-su auch nicht loslässt, während Hae-mi in Afrika ist.

Nach ihrer Rückkehr ist da plötzlich Ben (Steven Yeun aus “The Walking Dead”) an ihrer Seite und während Jong-su hoffte, ihre Beziehung zu intensivieren, ist nun ein merkwürdiges Dreieck daraus geworden. Ben scheint in allen Belangen besser zu sein, als Jong-su. Er sieht besser aus, ist kultiviert, hat Geld, eine tolle Wohnung und es scheint, als hätte Hae-mi viel mehr Interesse an ihm. Das Trio trifft sich auf der Farm von Jong-sus Vater, der derzeit im Gefängnis sitzt und sie verbringen die Nacht miteinander. Hier erzählt Ben davon, dass er ein merkwürdiges Hobby hat: Er liebt es, verlassene Gewächshäuser anzuzünden. Und schon bald werde er eines ganz in der Nähe der Farm abbrennen. Am nächsten Morgen kommt es zum kleinen Streit zwischen Jong-su und Hae-mi und hiernach ist sie spurlos verschwunden.

Der Film – der im Übrigen auch im erweiterten Kreis der Kandidaten für den besten fremdsprachigen Film bei der diesjährigen Oscar-Verleihung war – wird natürlich sehr langsam erzählt. Sehr. Langsam. In meinen Augen wäre es gar nicht so schlimm gewesen, einige Aspekte wegfallen zu lassen oder kürzer zu erzählen, das hätte den Film nicht schlechter gemacht.

Dennoch ist die Geschichte wirklich interessant, da nur aus der Perspektive von Jong-su erzählt. Wir erfahren alles genau in dem Moment, indem er es erfährt. Keine Szenen aus Afrika, keine Szenen zwischen Hae-mi und Ben alleine. Jedes Mal sehen wir die Welt aus den Augen von Jong-su. Und mit ihm wächst auch die Unsicherheit, was sich dort auftut und was genau die mysteriösen Umstände um das Verschwinden von Hae-mi sind. Wir kommen zu Schlüssen, weil Jong-su sich diese Gedanken macht, weil er Sachen sieht und weil er kombiniert. Und das ist wirklich, wirklich interessant gemacht.

Der Film lässt einen am Ende mit einem Gefühl der Verwirrung und vielen offenen Fragen zurück, was aber an der bewussten Erzählstruktur liegt. Nicht, weil sich darüber keine Gedanken gemacht wurde, sondern weil der Zuschauer eben nicht allwissend sein kann. Aufgrund der Tatsache, dass der Film aus der Perspektive von Jong-su erzählt wird, der selbst nicht zu den gesprächigsten oder emotionalsten Menschen gehört, setzt sich nicht nur eine gewisse Schwere, sondern auch ein Unbehagen ein. Der Zuschauer wird Zeuge von Vorstellungen oder Momenten, an denen man gar nicht teilhaben will. Und während der Film fast schon langatmig erzählt wird, kommt das Ende mit so einem Knall, dass man beim Abspann wirklich ein wenig ratlos zurück bleibt.

Die Länge ist mein absolutes Problem mit dem Film. Er hätte genauso gut mindestens eine halbe Stunde kürzer sein können. Handwerklich gibt es in meinen Augen kaum etwas zu meckern, auch wenn ich bei solch einem Film einen besseren Score erwarte, eine bessere, musikalische Untermalung. Die schauspielerischen Leistungen besonders von Yoo Ah-in und Jeon Jong-seo sind wirklich exzellent und sollten noch einmal herausgehoben werden, besonders Jong-seo wird eine sehr erfolgreiche Karriere haben, wenn sie so weiter macht.

Man muss diese Art von Film mögen. Ich habe ein Problem mit langatmig erzählten Thrillern und konnte wahrscheinlich auch deswegen mit Filmen wie “Let the Right One In” (auf Schwedisch “Låt den rätte komma in”) absolut nichts anfangen. Die Neugier weicht irgendwann der Langeweile und trotz aller interessanter Aspekte habe ich mich auch bei “Burning” sehr, sehr gelangweilt. Sehr viele, positive Aspekte, aber noch einmal würde ich mir den Film wohl nicht ansehen.

Wertung: 5/10 Punkte

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