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Review: Bohemian Rhapsody

Bohemian Rhapsody

Regie: Bryan Singer & Dexter Fletcher
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 134 Minuten

Ich bin tatsächlich noch nie so oft gefragt worden, warum ich denn noch keine Review über einen bestimmten Film geschrieben habe, ob denn noch eine Review kommt, ob ich einen Film gesehen habe, wie ich ihn finde und so weiter und so fort, wie in diesem Fall. Wie bei Bohemian Rhapsody. Und auch wenn mir das sehr schmeichelt und mich das auch ein bisschen wundert – eigentlich sollte ich das nicht, da es absolut kein Geheimnis ist, wieviel Queen mir bedeutet. Ich schreibe dies, während ich ein Queen-T-Shirt trage, an meiner Jacke steckt ein Freddie Mercury-Button, ich habe in diesem Blog schon über meine Leidenschaft zur Band geschrieben… mehrfach. Wer mich kennt, weiß, das Queen mein musikalisches Leben ist. Und deswegen habe ich mich bis zu diesem Tag schon etwas gesträubt, etwas zum Film zu schreiben. Ich bin voreingenommen. Kann ich überhaupt in irgendeiner Form objektiv sein?

Das Filmprojekt verfolge ich, seitdem es 2010 angekündigt wurde. Ursprünglich hätte “Borat, Brüno, Ali G” Sacha Baron Cohen in die Rolle von Freddie Mercury schlüpfen sollen, lange bevor Rami Malek seinen Durchbruch in “Mr. Robot” hatte. Und auch, wenn Cohen bewiesen hat – wie beispielsweise in “Sweeney Todd”, dass er durchaus auch andere Rollen spielen und vielleicht auch ein bisschen singen kann, fand ich die Auswahl immer irgendwie komisch. Die Jahre vergingen, Darsteller kamen und gingen und irgendwann saß nicht nur Rami Malek fest im Sattel der Hauptrolle, sondern auch Bryan Singer im Regiestuhl. Nun… bis er von Dexter Fletcher ausgetauscht wurde, da Singer entlassen wurde. Wahrscheinlich könnte man über die Dreharbeiten eine eigene Dokumentation produzieren und da sind wir auch schon beim Zauberwort:

Bohemian Rhapsody ist keine Dokumentation. Es ist kein chronologisch und vor allem faktisch richtiges Werk über das Leben von Freddie Mercury und die Band Queen. Das soll nicht bedeuten, dass der Film eine reine Fantasie ist, aber an (auch deutlich wichtigen) Kernpunkten wurde herumgeschraubt und die Wahrheit für die Dramaturgie verdreht. Einiges davon weiß man allerdings auch nur, wenn man sich wirklich mit der Bandgeschichte befasst.

Der Plot in aller Kürze: Farrokh Bulsara (Malek) ist ein außergewöhnlicher, junger Mann in London – stammt ursprünglich aus Sanzibar – der am Abend gerne in Clubs und Bars geht und sich Bands anschaut. An einem Abend entdeckt er die Band Smile, deren Stil ihm genauso gut gefällt, wie eine junge Dame namens Mary Austin (Lucy Boynton). Nach dem Konzert verlässt der Leadsänger Smile allerdings, doch Freddie – wie Farrokh nur genannt werden will, schließt sich Schlagzeuger Roger Taylor (Ben Hardy) und Gitarrist Brian May (Gwilym Lee, der dem echten Brian May uuuuuuunfassbar ähnlich sieht) an, sie holen noch den Bassisten John Deacon (Joe Mazzello) hinzu und schreiben Rock-Geschichte. Die ersten Touren durch England, das erste Album auf eigene Kosten, die Aufnahmen zum gewaltigen Werk “A Night at the Opera” mit dem namensgebenden “Bohemian Rhapsody”, die Streitigkeiten mit dem Management und die großen Touren um die ganze Welt. Es scheint, als wären Queen nicht aufzuhalten. Doch Freddie verliert sich mehr und mehr im Erfolg, Ruhm, Koks und Sex. Queen steht am Abgrund, Freddie mit falschen Freunden da. Und es scheint, als könnte nur eine tödliche Krankheit die Familie wieder zusammen führen, damit sie ihr vielleicht größtes Konzert spielen können.

Bevor ich zu einigen Diskrepanzen komme, muss ich an diesem Film sehr viel loben. An erster Stelle Rami Malek – es dauert einige Augenblicke, aber dann ist er Freddie Mercury. Er spielt keine Rolle – er ist es. In jeder Gestik und Mimik, es gibt wahrscheinlich keinen besseren Schauspieler, der diese Rolle so dermaßen hätte ausfüllen können. Ich ziehe meinen Hut vor Malek und bin wirklich glücklich, dass er den Golden Globe als bester Hauptdarsteller mit nach Hause nehmen konnte und – Stand heute – zumindest für den Oscar nominiert wurde. Aber auch die anderen Schauspieler sind sehr gut! Tom Hollander (“Pirates of the Caribbean”) als Anwalt/Manager Jim “Miami” Beach, Lucy Boynton, ich kann Gwilym Lee gar nicht genug loben, einzig Ben Hardy als Roger Taylor sticht für mich etwas negativ hervor. Auch Allen Leech als Paul Prenter, das Geschwür in der Queen-Familie, ist widerlich gut besetzt.

Der Soundtrack ist natürlich über alle Zweifel erhaben und wechselt gekonnt zwischen Studioaufnahmen und echten Konzerten und nimmt den Zuschauer nicht nur zur Entstehung vieler Songs wie “We Will Rock You” oder “Love of My Life”, sondern auch zu Auftritten mit. Allerdings spielt der Film leider wirklich sehr mit der Wahrheit. Hier nur einige Beispiele:

Ein Knackpunkt des Films ist, dass Freddie ein Soloalbum aufnehmen möchte und die Band daran fast zerbricht. Abgesehen von der Tatsache, dass sowohl Roger Taylor, als auch Brian May Jahre vor Freddie eigene Soloalben an den Start brachten, war auch Queen nie aufgelöst. Während im Film die Band vor dem berüchtigen Live Aid-Konzert 1985 angeblich monatelang nicht gemeinsam spielte, brachten sie knapp ein Jahr zuvor ein Album heraus, gingen auf Tour und spielten das letzte Konzert dieser Tour acht Wochen vor Live Aid.

Freddie erfuhr auch von seiner Aids-Erkrankung nicht kurz vor dem Live Aid-Konzert, wie der Film es aussagt, sondern erst 1986 oder 1987, die Band erfuhr es sogar erst 1989.

Dies sind nur einige Beispiele, die im Film nicht ganz stimmig sind – und da der Film nun von vielen Leuten gesehen wird, wahrscheinlich irgendwann als Wahrheit gelten. Auch werden Freddies sehr wichtige Beziehungen besonders zu Mary Austin und Jim Hutton nur angerissen. Allerdings habe ich Letzteren nachdem ich sein Buch “Freddie Mercury und ich” gelesen habe, sowieso gefressen. Hat mir nicht gefallen.

Der Film hat mir im Gegenzug sehr gefallen. Wirklich sehr. Ich habe ihn dreimal im Kino gesehen, ich kann mich an keinen anderen Film erinnern, den ich so oft im Kino angesehen habe. Neben den faktischen Fehlern ist es durchaus störend, dass der Film rasant durch gut 15 Jahre Bandgeschichte sprintet, aber wie gesagt, es ist keine Dokumentation, es ist ein musikalisches, biographisch angehauchtes Filmdrama. Mit sehr guten Schauspielern und einem exzellenten Soundtrack. Vielleicht sogar ein Startschuss für eine ganz neue Generation, sich mit der zeitlosen und wechselhaften Musik von Queen zu beschäftigten.

Von den Kritiken wird der Film teilweise sehr zerrissen – absolut zu Unrecht. Ist der Streifen ein filmisches Meisterwerk, an dem sich Filmstudenten aufgrund seiner Machart in den nächsten Jahrzehnten laben werden? Mit Sicherheit nicht. Aber der Film ist trotz seiner schwierigen Entstehungsgeschichte auch kein Totalausfall und kann auch von Leuten, die mit Queen nichts anfangen können, angesehen und gemocht werden. Objektiv ist der Film wahrscheinlich bei einer 7 oder 8 von 10 anzusiedeln. Aber für mich, für mich allein, hat der Film – auch wenn er nicht perfekt ist – meine Erwartungen absolut übertroffen.

Wertung: 9/10 Punkte

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