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Review: Blair Witch

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Review: Blair Witch

Regie: Adam Wingard
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 89 Minuten

1999 war “The Blair Witch Project” eine kleine Revolution. Natürlich nicht der erste Film in der sogenannten “Found Footage”-Kategorie, bei dem man es erscheinen lässt, als wäre das vorhandene Filmmaterial tatsächlich irgendwo gefunden worden, aber vielleicht der erste kommerziell erfolgreiche Film seiner Art, was sicherlich auch an dem geschickten Internet-Marketing lag, welches den Film tatsächlich “echt” wirken ließ. Gefälschte Polizeiberichte, Interviews mit angeblichen Anwohnern, die Aufmachung der Webseite.

17 Jahre sind seit dem Horrorfilm von Daniel Myrick and Eduardo Sánchez vergangen, in welchem die drei Studenten Heather, Mike und Josh einen Dokumentarfilm über den Mythos der Blair Witch drehen möchten und als ich vom neuen Ableger gehört habe, dachte ich mir nur: “Puh, echt? Ein Reboot?”Umso überraschender für mich, der vorab jeden Trailer und jeden Artikel über den Film vermieden hat, dass der Film gar kein Neuanfang der Serie ist. Stattdessen spielt der Film tatsächlich rund 20 Jahre nach dem ersten Teil (ignoriert dabei aber den ursprünglichen Nachfolger “Blair Witch 2” aus dem Jahre 2000).

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Heathers Bruder James (James Allen McCune) glaubt, dass seine Schwester noch immer am Leben ist und in den Wäldern herumirrt. Gemeinsam mit seinen Freunden Lisa (Callie Hernandez), Peter (Brandon Scott) und Ashley (Corbin Reid) reist der junge Mann nach Burkittsville und möchte – natürlich – deine Suche dokumentieren. Auf die Idee kommt das Quartett, weil sie im Internet ein Video entdeckt haben, was in den Wäldern von Lane (Wes Robinson) und Talia (Valorie Curry) gefunden wurde. Dieses zeigt eine weibliche Gestalt in einem Spiegel – möglicherweise Heather? Die beiden Einwohner des kleinen Dorfes schließen sich der Expedition auch an.

Nach der ersten Nacht tauchen die kleinen, mysteriösen Holzfiguren über den Zelten der Gruppe auf. Wie sich aber herausstellt, sind Lane und Talia dafür verantwortlich. Sie werden von den Freunden weggeschickt, die die Suche nach Heather abbrechen wollen. Nach stundenlanger Wanderung zurück zu ihrem Auto landen Sie aber wieder bei ihrem ursprünglichen Camp, wo sie die Nacht verbracht haben. Trotz moderner Technik mit GPS und Dronenkamera verlieren sie die Orientierung und müssen nun noch eine Nacht in den Wäldern verbringen. Hier tauchen Lane und Talia wieder auf, sehen aber aus, als hätten sie bereits mehrere Tage ohne Nahrung im Wald verbracht.

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“Blair Witch” führt das Konzept des ersten Filmes fort. Alle Beteiligten sind mit Kameras und Taschenlampen ausgestattet, was zumindest versucht, die Essenz des ersten Teils einzufangen, sich aber oft einfach nur in wackelndes Gerenne durch die Wälder beschränkt. Anstatt selbst auf der Suche zu sein, ist die Truppe vom Prinzip her ständig auf der Flucht, sind selbst die Gejagten. Allerdings bringt der Film auch neue, vollkommen unerwartete und frei interpretierbare Elemente in die Geschichte, ohne diese je zu erklären. Der Spoiler-Zug fährt voraus:

– Es gibt offenbar eine Zeitschleife. Lane taucht später noch einmal sehr bärtig auf, sieht aus als wäre er bereits seit Monaten im Wald und auch die Person im Spiegel entpuppt sich nicht als Heather. Ein ziemlich cooler Twist.
– Das Haus, in welchem das Finale des Filmes spielt, wird von außen von einem sehr grellen Licht plötzlich für mehrere Sekunden beleuchtet. Kein Blitzschlag oder Ähnliches, eher ein übernatürliches Element.

Der Film konzentriert sich auf zwei Kernpunkte: Die Flucht und plötzliche Jumpscares. Natürlich darf man beim Werk von Regisseur Adam Wingard keine meisterliche Kameraarbeit erwarten, allerdings wäre hier an einigen Stellen manchmal mehr drin gewesen. Man ist mitten drin dabei, wenn die Personen durch den Wald oder die Gebäude rennen, reagiert aber nicht mit Ihnen auf das, was erlebt wird, sondern nach ihnen. Auch sind die Rollen sehr, sehr merkwürdig besetzt. Besonders die Rolle des Peter wird so unsympathisch dargestellt, dass man emotional total kalt gelassen wird, als er Opfer des Wesens wird.

Allerdings: Der Film ist tatsächlich nicht so schlecht, wie man es vielleicht erwarten könnte. Und er ist extrem kurzweilig. Er definiert das Horrorgenre nicht neu, wie es etwa sein Vorgänger gemacht hat, auf den dann etliche Filme wie “Paranormal Activity”, “REC” oder “V/H/S” folgten, aber er baut eine ordentliche Spannung auf, die dann eben mit wahrscheinlich noch mehr ungeklärten Fragen zurückbleibt. Wer sich also im Kino ein bisschen erschrecken möchte, macht mit “Blair Witch” nicht viel falsch. Allerdings lässt die Renaissance des Horrorfilmes noch ein wenig auf sich warten.

Wertung: 5/10

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