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Review: Black Panther

Black Panther

Regie: Ryan Coogler
Erscheinungsjahr: 2018
Laufzeit: 135 Minuten

Der ACHTZEHNTE Film im Marvel Universum – und tatsächlich habe ich sie fast alle gesehen. Einzig den zweite Thor-Film habe ich mir nie angeschaut, aber das scheint auch kein großer Verlust gewesen zu sein, so boten doch die anderen Filme einen ausreichenden Überblick über den Charakter. Black Panther hingegen feierte sein Debüt im MCU – dem Marvel Cinematic Universe – ebenso wie der neue Spider-Man in Civil War. Erstmals verkörperte Chadwick Boseman den Panther und König von Wakandia T’Challa und bekam zwei Jahre später nun seinen eigenen Superhelden-Film spendiert, der gleichzeitig eine Fortführung der Geschehnisse aus dem Bürgerkrieg ist, aber auch in der Vergangenheit wühlt.

In einer Rückblende sehen wir T’Challas Vorgänger als König und Panther, seinen Vater T’Chaka in jungen Jahren, der seinen Bruder N’Jobu besucht, den es nach Oakland, Kalifornien verschlagen hat. N’Jobu hat sich von den Prinzipien Wakandas abgewendet und will einen radikalen Gegenschlag gegen die schwarze Unterdrückung ausführen, den T’Chaka nur blutig beenden kann. Knapp 25 Jahre später blüht Wakanda – bedingt durch das immense Vorkommen des wertvollen und vielseitigen Vibraniums – noch immer auf und T’Challa wird zum König vereidigt, als ihn die Vergangenheit einholt. Schnell findet er sich wieder in einem Konflikt um die Vergangenheit seines Vaters und dem Konflikt ob ein Land wie Wakanda – welches sich außenpolitisch als armes 3. Welt-Land darstellt – nicht mehr tun sollte und am Ende auch in einem Konflikt um seinen Thron wieder, als ein mysteriöser Soldat namens Killmonger (Michael B. Jordan, der hier einen wesentlich besseren Auftritt in einem Superhelden-Film hat, als bei den Fantastic Four – und der spätestens in Fruitvale Station bewiesen hat, was er für ein guter Schauspieler ist) auftaucht.

Was Black Panther unwahrscheinlich gut macht ist mehrdimensionale Charaktere zu zeigen, die mehr sind, als sie scheinen. Ob das am Ende immer wieder logisch ist, ist halt eine andere Frage. T’Challa will alles besser machen als sein Vater, ist moderner und glaubt, dass Wakanda einen Beitrag für eine bessere Welt leisten kann. Killmonger hingegen ist einerseits auf persönliche Rache aus, will aber ebenfalls gegen die schwarze Unterdrückung vorgehen. Eine Kriegerin wie General Okoye (Danai Gurira, Michonne aus The Walking Dead) findet sich plötzlich wieder zwischen ihrer traditionellen Rolle und einem Sturzversuch. Der ganze Film schreit nach Revolution und stellt aber gleichzeitig tolle Szenarien dar, wie T’Challas Krönung an der Seite seiner Mutter Ramonda (Angela Bassett) und Superhirn Shuri (großartig: Laetitia Wright, bekannt aus der letzten Folge der vierten Staffel von “Black Mirror” oder “12 Years a Slave”, den ich dringend noch sehen muss), traditionelle Tänze, eine ganz andere Kultur, als sie besonders im MCU zuvor, aber auch in anderen bombastischen Filmen mit solch einem Budget gezeigt worden sind.

Aber: Gut ist das Drehbuch dennoch nicht und hat so viele Logikfehler, die man nur mit einer Spoilerwarnung versehen ansprechen kann. Killmonger ist natürlich der Sohn von N’Jobu, der in einem ranzigen Apartment ums Leben gekommen ist, wo nur König T’Chaka und sein bester Freund Zuri anwesend war, während Klein-Killmonger auf der Straße Basketball spielte. Sein ganzer Racheplan steht und fällt mit der Tatsache, dass er niemals, niemals, niemals hätte herausfinden können, wer seinen Vater getötet hat. Niemals.

Noch viel drastischer aber: Im Film tut sich Killmonger mit Ulsysses Klaue zusammen. Sie klauen gemeinsam ein bisschen Vibranium aus einem Museum um dieses dann an Agent Everett K. Ross (Martin Freeman) zu verkaufen. Später rettet er Klaue. Nur um ihn dann zu töten und zu T’Challas Freund W’Kabi (Daniel Kaluuya aus “Get Out”) zu bringen um Einlass zu Wakanda zu erhalten, weil nämlich W’Kabi auf der Jagd nach Klaue war, weil der nämlich vor ein paar Jahren dessen Eltern getötet hat. Vergessen wir mal, woher Killmonger das überhaupt weiß. Und vergessen wir mal, wie Killmonger den Kontakt zu W’Kabi (oder umgekehrt) aufgenommen hat. Warum klaut Killmonger überhaupt mit Klaue das Vibranium und rettet ihn? Töte ihn doch gleich?!

Warum der verfeindete Stamm um M’Baku den leblosen T’Challa später im Film am Leben erhält ohne eine Möglichkeit ihn zu heilen, falls nicht zufällig Jemand vorbei kommt? Wer weiß? Warum das National History Museum ein Artefakt aus Vibranium nicht genauestens analysiert bevor sie es in eine Vitrine packen und feststellen, dass das aus einem Metall ist, was sie gar nicht kennen? Unwichtig.

Starke Ideen, leider oft schwach umgesetzt. Unfassbar faules Drehbuch, welches so viel besser, so viel stimmungsvoller hätte sein können, welches mir deutlich die Freude an dem sonst recht guten Film genommen hat. Nach dem ganzen Kritiken war ich sehr gehypt auf den Film, doch meine Arwartungen konnte er leider nicht komplett erfüllen und wird für mich sehr schnell in eine Habe-ich-gesehen-aber-nachhaltig-war-das-nicht-Kategorie abdriften, wie Ant-Man. Schade. Bis auf zwei, drei Gags war der erzwungene Humor (“Sneakers!”) übrigens auch grottenschlecht. Die schauspielerische Leistung der meisten Darsteller war allerdings super. Besonders die großartige Letitia Wright, Lupita Nyong’o als Love Interest Nakia und Danai Gurira haben mir sehr, sehr gut gefallen.

Ich verstehe die Wichtigkeit dieses Films in kultureller Hinsicht – als für sich alleinstehender Kinofilm hätte er mir vielleicht auch deutlich besser gefallen können. Tolle Bilder, beeindruckender Cast, gute Ansätze, aber am Ende nicht so gut umgesetzt, wie es hätte sein können.

Wertung: 6/10

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