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Review: Batman v Superman: Dawn of Justice


Batman v Superman: Dawn of Justice

Regie: Zack Snyder
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 108 Minuten

Zu Beginn der Hinweis, dass es für mich unmöglich ist, den Film ohne irgendwelche Hinweise auf die kommenden Filme aus dem DC Universe oder Spoiler zum Inhalt zu bewerten. Wer den Film also noch nicht gesehen hat – Spoilerwarnung!

“Batman v Superman: Dawn of Justice” bringt den feuchten Traum unzähliger Comicfans erstmals auf die große Leinwand und lässt die Fledermaus aus Gotham gegen den Mann aus Stahl vom Planeten Krypton gegeneinander kämpfen. Was nicht nur im Titel episch klingt, wurde von Zack Snyder rein von der Optik auch entsprechend inszeniert. Es gibt Action en Masse, wahnsinnige Effekte, laute Musik von Hans Zimmer und Junkie XL und liefert 2 1/2 Stunden lang astreines, bombastisches Popcornkino.

Der Film setzt von der Handlung zu Beginn nicht irgendwann nach dem Vorgänger “Man of Steel” an, sondern beginnt nach kurzer Einführung über den Tod von Bruce Waynes Eltern Thomas und Martha (gespielt von Jeffrey Dean Morgan und Lauren Cohan aka Maggie in “The Walking Dead”) direkt beim Finale des Vorgängers. Der Kampf zwischen Superman (Henry Cavill) und General Zod (Michael Shannon) zerstören Metropolis, töten dabei unzählige Unschuldige und bringen dabei auch ein Hochhaus mit unzähligen Mitarbeitern von Bruce Wayne zum Einsturz. Wayne selbst ist zu diesem Zeitpunkt in Metropolis unterwegs und sieht somit mit eigenen Augen die Zerstörungsgewalt, die von der Kraft Supermans ausgeht.

18 Monate später hat man Superman in Metropolis zwar ein Denkmal gebaut, allerdings sind die Bevölkerung und Politiker zwiegespalten über den Helden aus Krypton. Während der Senat darüber diskutiert, ob Superman aus freien Stücken handeln darf, ist Mediamogul Lex Luthor (Jesse Eisenberg, u.a. in “The Social Network”) anderer Meinung und will Superman zerstören. Warum? Weil er es kann. Superman hat also alle Hände voll zu tun und bekommt es einerseits mit Batman zu tun, der an eine gehörige Ladung Kryptonit gekommen ist, andererseits aber auch mit Luthor, der mithilfe des alten Raumschiffes ein abartiges Wesen erschafft.

Zwischen den Fronten befindet sich außerdem Diana Prince, deren wahre Identität – Wonder Woman – sich auf den Festplatten von Lex Luthor befindet und die daher in Konflikt mit Batman gerät. Am Ende müssen Batman und Superman nach einem harten Kampf und Wonder Woman aber ihre Kräfte vereinen, um gegen das von Luthor geschaffene Wesen – Doomsday – zu gewinnen.

Visuell basiert der Film auf dem vielleicht besten Batman-Comic “The Dark Knight Returns”, aus dem Jahre 1986. In diesem kehrt Bruce Wayne nach zehnjähriger Pause als 55-Jähriger zurück und auch hier kommt es zur Konfrontation mit Superman – selbst das Outfit ist daran angelehnt.

Mich stören an dem Film diverse Dinge: Es sind viel zu viele Elemente in den 2 1/2 Stunden gepresst, sodass man einfach nicht hinterher kommt, ohne später im Internet diverse Hinweise nachzulesen oder Fantheorien zu folgen. Eine beispielsweise ist, dass Jesse Eisenberg gar nicht DEN Lex Luthor spielt, sondern dessen Sohn, der eigentlich auch als Alexander Luthor bekannt ist. Das mag sein, erklärt aber immer noch nicht, warum dieser Luthor sich so verhält, als würde er Heath Ledgers “Joker” kopieren. Grüne Haare, weiße Schminke – et voilá! Luthor wirkt streckenweise einfach wie ein durchgeknallter Junge, die tatsächliche Motivation, warum er überhaupt gegen Superman agiert, wird nie genannt. Mag sein, dass dies vielleicht später noch erklärt wird, aber dennoch bleibt man mit vielen offenen Fragen zurück: Was ist mit dem eigentlichen Lex Luthor passiert, wenn Eisenberg wirklich seinen Sohn spielt? Hat Superman demnach nie seinen eigentlichen Erzfeind getroffen oder ist irgendwas in den 18 Monaten zwischen “Man of Steel” und “Dawn of Justice” passiert, was nie erklärt wird?

Ein Kampf zwischen Gut und Böse funktioniert nur bedingt, wenn das Böse kein wirkliches Gesicht hat. Luthors Motivation bleibt unklar, also ist er auch kein wirklich guter Bösewicht. Kein Gegenpol. Luthor ist einfach nur geisteskrank und skrupellos (und tötet einfach so seine Assistentin). Dazu erschafft er mit Doomsday den wohl gefährlichsten, weil eigentlich unkaputtbaren Gegenspieler. Mal abgesehen davon, dass er aussieht, als hätte einer von Michael Bays grottenhässlichen Ninja Turtles Sex mit dem Hulk gehabt, hat man hier einen der gefährlichsten Gegner Supermans, der ihn im Comic “The Death of Superman” tatsächlich tötet, bereits im zweiten Film des DC Universums gebracht und getötet. Okay?
Es gab großartige Hinweise auf den Joker und das Schicksal von Robin in diesem Universum, es gab eine Sequenz in welcher Bruce Wayne eine Botschaft von einer Person aus einer Art Portal erhält, was wohl der zeitreisende Flash war – hat mir auch stark gefallen. Es gab sogar kleine Trailer zu Cyborg, Aquaman (selten sah ein Schauspieler unter Wasser so unwohl dabei aus) und Flash – Luthor war so vernarrt in sie, dass er ihnen eigene Logos bastelt. Hui!

Bruce Wayne hat wahrscheinlich aufgrund seiner schlimmen Vergangenheit, die ihn dazu zwang, die Batman-Schuhe eine gewisse Zeit an den Nagel zu hängen, diverse Visionen, bei denen es oft unklar ist, ob er träumt, oder tatsächlich die Zukunft sieht. In einer Sequenz beispielsweise kämpft er in einer Wüstenregion gegen geflügelte Handlanger, die zum Ultra-Bösewicht Darkseid gehören sollen. Auch Luthor spielt oft auf die Geflügelten an, wenn man allerdings nicht weiß, wer das ist, steht man im Regen.

Generell setzt der Film nicht nur ein enormes Grundwissen des Zuschauers voraus, sondern man darf sich auch beim Schauen seinen Teil denken. Clark Kent und Bruce Wayne werden zu einer Party von Lex Luthor eingeladen und treffen sich dort das erste Mal. Warum aber wird Clark Kent generell eingeladen? Er ist ein unbedeutendes Licht beim Daily Planet, der sich eigentlich um den Sportteil kümmern soll. Erst später im Film scheint Luthor – durch das Raumschiff – in Erfahrung gebracht zu haben, dass Superman Kal-El ist. Erfährt er dadurch auch, dass Superman und Clark Kent die gleiche Person ist und entführt daher Martha Kent? Oder weiß er es einfach, weil er ja auch weiß, wer Wonder Woman, Cyborg, Flash und Aquaman sind, weil er einfach der allwissendste Mensch der Welt ist?

Was war überhaupt sein Plan? Er erschafft Doomsday, der ihn mit seinem ersten Atemzug und Schlag fast getötet hätte, wenn Superman nicht dazwischen gegangen wäre. Und dann?

Warum weiß Superman beim finalen Clash plötzlich, dass Batman und Bruce Wayne die gleiche Person ist? Superman fliegt nach Gotham um Batman zu überzeugen, mit ihm Seite an Seite zu kämpfen, Batman steht in seiner von Kryptonit angetriebenen Rüstung vor Superman und der spricht ihn mit “Bruce” an. Einfach so.

Warum hat Batman so einen unendlichen Hass auf Superman? In den 18 Monaten zwischen den Filmen hat Superman etliche Heldentaten vollbracht, aber Batman ist stinksauer auf Superman, weil das Hochhaus zusammengebrochen ist? Was hätte Superman tun sollen? Zod nicht bekämpfen? Der Batman, der in diesem Universum auftaucht, hat keine Moralvorstellungen und hört nicht auf seinen langjährigen Mentor Alfred, der ihn sogar noch unterstützt. Batman tötet. Ohne Skrupel. Natürlich die Bösen, aber vielleicht waren einige von denen nur Mitläufer? Dennoch ballert Batman drauf los, rast mit seinem Batmobil in andere Autos und sticht einem sogar ein Messer direkt ins Herz. Warum Batman in diesem Universum so abgrundtief böse ist, wird nur angedeutet. Nie erklärt. Das ist okay, das wird in einem anderen Batman-Film sicher noch erklärt, aber der Hass von Batman auf Superman basiert einfach auf viel zu dünnem Eis.

Andersherum ist es nicht anders. Bruce Wayne ging X Jahre nicht mehr als Fledermaus in der Nacht umher, doch nach einer kurzen Reihe von Brandmarkungen warnt ihn Superman sofort und will ihn zum Ruhestand zwingen. Batman rettet während seinem Streifzug sogar eine Gruppe von asiatischen Sexsklavinnen (wahrscheinlich), warum findet das Superman schlecht? Weil Batman sein Symbol in die Haut eines Bösen einbrennt? Kent will mit dem Daily Planet eine riesige Kampagne gegen den Gesetzeslosen aus Gotham starten – während er selbst gerade vor dem Kongress in Erklärungsnot für seine eigenen Taten gerät. What the…

Warum lieben die Bewohner von Metropolis Superman nach der Schlacht gegen Doomsday (bei welcher Metropolis oder Gotham und vor allem die Erdatmosphäre komplett im Eimer sind), nachdem sie ihn vorher so sehr gehasst haben?

Was Zack Snyder bewiesen hat ist, dass er a) wieder einmal gut das Visuelle aus Comicvorlagen kopieren kann und b) dass er wesentlich bessere Kampfsequenzen hinbekommt, als Christopher Nolan. Die Hand-to-Hand Combats von Batman gegen die Bösen wirken wie aus den Batman Arkham-Videospielen und sind großartig.

Ben Affleck hat mir bewiesen, dass er wirklich gut einen verbitterten Bruce Wayne spielen kann. Er hat mir als Batman außerordentlich gut gefallen. Es war allerdings unfreiwillig komisch, dass er im Showdown, als Batman und Superman für die Rettung von Supermans Mutter nur noch 10 Minuten bleiben, es schafft seine kaputte Kryptonit-Rüstung gegen sein normales Kostüm auszutauschen. Das muss er zufällig und praktisch in der Nähe des Schlachtfeldes geparkt haben, genauso wie seinen Batwing.

Gal Gadot als Wonder Woman hat es sogar geschafft, dass ich mich für ihren Solofilm, der 2017 kommt, interessiere. Ich will mehr über den Hintergrund der Amazone wissen, auch wenn sie selbst absolut keine imposante Figur darstellt. Allerdings war ihr Kampf gegen Doomsday, den sie zwischenzeitlich alleine bestritt, weil sich Batman irgendwo versteckte und Superman Lois Lane retten musste (und dabei fast schon selbst draufging) sehr, sehr merkwürdig geschnitten. In einer Szene hackte sie Doomsday mit ihrem Schwert einen Arm ab. Dann gab es Geschmachte zwischen Kent und Lane. Dann hielt Wonder Woman Doomsday mit ihrem Lasso gefangen. Sehr suboptimal gelöst.

Auch der Grund, warum Batman und Superman plötzlich zusammenarbeiten – Batman erfährt, dass Superman eine Mutter hat. Und die hat den gleichen Namen, wie seine Mutter. Das wars. Nach 18 Monaten krankhaftem Hass…

Ich habe viele, viele Dinge, die mich gestört haben, nicht angesprochen und hole das in kurzer Form nach. Einige Dinge waren unfreiwillig komisch oder dämlich:
– Warum wirft Lois Lane das Kryptonit-Speer ins Wasser? Und warum wusste sie danach, dass das Ding Doomsday besiegen kann? Warum kann Superman mit dem Speer kaum schwimmen und stirbt in dieser Szene fast, kann dann aber mit dem Speer kilometerweit fliegen?
– Warum schießt Batman einen Peilsender an den Laster mit dem Kryptonit, greift diesen Laster dann dennoch an und reißt mit seinem Batmobil den halben Laster dann sogar in Stücke (zu seinem Glück – haha – bleib eine Kante mit dem Peilsender natürlich dran)?
– Warum wird Superman für das Massaker in Nairomi, in welchem die Handlanger Luthors andere Leute abschlachten, verantwortlich gemacht? Klar, er ist da um Lois Lane zu retten, aber die werden alle erschossen! Warum sollte irgendein Mensch auf dieser Welt denken, dass Superman die getötet hat? Was ist da eigentlich passiert? Da treffen einfach nur Gruppen von Terroristen aufeinander. Wieso sollte das überhaupt Jemanden interessieren?
– Warum benutzt ein Fotograf im Jahre 2015/2016 eine Kamera mit einem ECHTEN FILM? Mit einer kleinen Filmrolle? Dieser Fotograf war übrigens laut Credits “Jimmy Olsen”, einer der besten Freunde beim Daily Planet von Kent und Lane. Schön, dass er so eine große Rolle gespielt hat.
– Was für Viecher schwimmen im Raumschiff herum?
– An was für einem verlassenen Ort (aber mit Autos?) kämpfen die Superhelden eigentlich gegen Doomsday?
– Superman rettet Lois Lane, während sie am anderen Ende der Welt eine Waffe an der Schläfe hat. Superman rettet Lois Lane unter Wasser. Superman rettet Lois Lane, während sie von einem Hochhaus fällt. Hat er einen von Batmans Peilsendern geklaut? Und wieso rettet er sie nicht vor der Entführung?
– Warum schickt Superman Lois Lane einen Verlobungsring per Post? Warum?

Doch lassen wir die Fragerei…
Mir hat der düstere Look des Films sehr gefallen, der Soundtrack ist gut, die meisten Schauspieler gut bis okay (außer Jesse Eisenberg mit einer unglaublich schlechten Darstellung von Lex Luthor und Henry Cavill scheint ein paar Gesichtsausdrücke verlernt zu haben). Schlecht war aus technischer Sicht besonders das 3D, was oft sehr verwaschen wirkte und eigentlich komplett unnötig war.

Man sollte den Film schon sehen – alleine um sich bestätigen zu lassen, dass Ben Affleck nicht der Grund ist, warum der Film teilweise schlecht gemacht wird.
Er bietet schnelle Action, die gut inszeniert ist, aber kann einfach aufgrund der unendlich vielen Sideplots und offenen Dinge, die erst später (oder überhaupt nicht) geklärt werden, nicht als reines Popcornkino durchgehen.

Streckenweise war er sehr unterhaltsam. Streckenweise aber einfach nur viel, viel zu dünn an Storyelementen um jetzt zu funktionieren. Rückblickend hatte ich besonders beim Finale von “Man of Steel” besonders die Zerstörungswut von Superman und Zod kritisiert, die jetzt aufgegriffen wurde und Sinn ergibt. Vielleicht geht es mir mit “Dawn of Justice” nach “Suicide Squad” (wo der Joker möglicherweise den ohne Moral agierenden Batman erklärt) oder den anderen Filmen ähnlich.

Nicht zurücknehmen kann man allerdings, dass Jesse Eisenberg grauenvoll war, dass Doomsday eine verschenkte Chance war und dass man die Story aus “The Death of Superman” im zweiten Film verbrät, ohne wirklich Charaktere aufgebaut zu haben. So bleibt als Wertung nur, dass man den Film gesehen haben sollte – alleine schon um die nachfolgenden Teile zu verstehen. Und man enormes Potential mit Batman und Wonder Woman hat. Aber der Film selbst war wirklich nicht sonderlich gut.

P.S. Batman gewinnt.

Wertung: 4/10

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