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Review: Assassin’s Creed

Assassin’s Creed

Regie: Justin Kurzel
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 116 Minuten

Uh oh. Wieder eine Videospiel-Verfilmung. Im Gegensatz zu “Warcraft” habe ich bei “Assassin’s Creed” wenigstens rudimentäre Kenntnisse über die Hintergründe, die Geschichte und könnte auch alle Assassinen ihre jeweiligen Zeitalter und Spielen zuordnen, ohne einen Teil je selbst gespielt zu haben.

Worum geht es? In “Assassin’s Creed” führen der geistliche Templerorden und die Assassinen seit Jahrhunderten einen erbitterten Krieg miteinander. Während die Templer die Welt beherrschen und die Menschen unterwerfen wollen, leisten die Assassinen aus dem Untergrund erbitterten Widerstand. Eine wissenschaftliche Firma namens Abstergo Industries hat ein Gerät entwickelt – den Animus – mit dem man Menschen zumindest mental in die Vergangenheit schicken kann. Sie können daher die Erlebnisse und Erfahrungen ihrer Vorfahren sehr lebhaft noch einmal erleben. Dies passiert in den Videospielen mit Desmond Miles, der zumindest von “Assassin’s Creed” bis “Assassin’s Creed III” den Spieler durch mehrere Zeitepochen führt: Der dritte Kreuzzug durch Palestinä im 12. Jahrhundert, die Renaissance in Italien und in Konstantinopel im späten 15. Jahrhundert, sowie während der amerikanischen Revolution und dem Unabhängigkeitskrieg im späten 18. Jahrhundert.

Im Film spielt weder Desmond Miles, noch die Geschehnisse aus den Videospielen irgendeine Rolle, weswegen man die Abenteuer von Cal Lynch (Michael Fassbender) auch komplett ohne Vorwissen anschauen kann. Lynch ist ein Schwerverbrecher, der aufgrund eines von ihm verübten Mordes hingerichtet wird. Anstatt allerdings seine letzte Ruhe zu finden, wacht er bei Abstergo Industries auf, die ihn gerettet haben und seine Hilfe benötigen, den Apfel von Eden zu finden, ein mächtiges Artefakt, welches die Assassinen zur Zeit der spanischen Inquisition vor den Templern versteckten. Dieser Edensapfel soll laut Aussage der Wissenschaftlerin Dr. Sophia Rikkin (Marion Cotillard) dabei helfen, die Menschheit von Aggressionen zu befreien. Oder so. Lynch wird mithilfe des Animus also in die Erlebnisse seines Vorfahren, des Assassinen Aguilar de Nerha, zurückversetzt, wo er mit dem Assassinenbund gegen die Templer vorgeht.

Man sollte vielleicht ein paar Vorkenntnisse über Spanien im 15. Jahrhundert haben, wenn man sich nicht wundern möchte, warum der Herrscher ein muslimischer Sultan ist. Tatsächlich war Muhammad XII. der Emir von Granada und bis 1492 der Herrscher des letzten muslimisch beherrschten Territoriums der Iberischen Halbinsel. Der Templerorden ging aufgrund der Anordnung des Papstes Sixtus IV. gegen jüdische und muslimische Glaubensanhänger vor. Die Assassinen versuchten zu intervenieren und so kämpfte Aguilar an der Seite der Assassinin Maria (Ariane Labed) gegen die Widersacher.

Man sollte jetzt schon merken – es ist in den knapp zwei Stunden enorm viel Geschichte verpackt worden. So springt der Film stetig zwischen Gegenwart und Vergangenheit und vermischt das Ganze in den Actionsequenzen oft unüberschaubar miteinander. Michael Fassbender springt zwischen Staub und Wüstenland herum, wirbelt im Animus umher (der sich deutlich von der Videospiel-Fassung abhebt, was allerdings tatsächlich ein gutes Element ist) und Regisseur Justin Kurzel und besonders Filmeditor Christopher Tellefsen, der für den Schnitt zuständig war, beweisen in so ziemlich jeder Actionszene, dass das absolut nicht ihr Metier ist. Viel zu rasant, ohne Ruhe um eine Sequenz mal wirken zu lassen, alles sehr unübersichtlich und konfus.

Dabei ist die Prämisse des Films nicht falsch und gibt eigentlich viel Material her. Die Geschichte in der Gegenwart wird ganz interessant angerissen, auch wenn es sehr merkwürdig ist, dass Abstergo neben Cal Lynch noch etliche andere, begabte Assassinen (gespielt von u.a. Michael K. Williams oder Michelle Lin) ohne große Sicherheitsvorkehrungen frei umherlaufen lassen. In den Szenen, die in der Vergangenheit spielen, gibt es wenig Zeit für Charakteraufbau, weswegen dort so ziemlich alle Personen abgesehen von Aguilar absolut blass bleiben. Das größte Problem ist allerdings die Beziehung zwischen Dr. Rikkin und ihrem Vater Alan Rikkin (Jeremy Irons), der CEO von Abstergo Industries. In einer Szene scheint die Tochter ihren Vater für dessen Egoismus und seine Ansichten, die wenig mit Wissenschaft zu tun haben, zu verachten. In der nächsten Szene will sie seine Fußstapfen ausfüllen und alle Assassinen vernichten. Davon abgesehen, dass Marion Cotillard ihre beste Steven Seagal-Impression auf die Leinwand bringt und nahezu den ganzen Film mit einem Gesichtsausdruck auskommt, ist ihr Charakter bis zum Ende so undurchsichtig wie die staubigen Actionszenen.

Das prall gefüllte Material von “Assassin’s Creed” wird leider auch in den Spielen nie optimal umgesetzt und besonders die Szenen in der Gegenwart sind zwischenzeitlich laut Aussage der Fans mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. In knapp zwei Stunden schafft man das gesamte Universum weder neu zu erfinden – was auch nie der Ansatz war – noch das Ganze so kompakt darzustellen, dass man richtig in die Materie eintauchen kann. “Assassin’s Creed” würde als größer angelegte Serie, die vielleicht in jeder Staffel in einer anderen Epoche spielt, wohl wesentlich mehr Spaß machen. Stattdessen gibt es aber einen sehr dünnen Actionfilm mit unklaren Motiven, eindimensionalen Charakteren und einer One-Man-Show von Michael Fassbender, der konkurrenzlos den besten Job macht und einen Soundtrack vom Bruder des Regisseurs, der einem “Assassin’s Creed” absolut unwürdig ist. Das müde, emotionslose und stets unpassende Gedudel transportiert null das Setting des Films und ist ein Schlag ins Gesicht für Komponisten wie Austin Wintory, Brian Tyler, Lorne Balfe und Jesper Kyd, die den Videospielen die richtige Untermalung mit auf den Weg gegeben haben.

“Assassin’s Creed” lässt leider enorm viel Potential liegen und verliert damit wahrscheinlich auch viel Geld an den Kinokassen. Leider hat man zuviel Zeit mit CGI-Action, in denen Fassbender im Animus oder aber unklar durch den Staub herumspringt, verplempert anstatt wertvolle Minuten für eine klare, durchdachte und vielleicht auch weniger flache Story zu nutzen. “Assassin’s Creed” ist nicht der schlechteste Film des Jahres und bei weitem nicht die schlechteste Videospielverfilmung aller Zeiten. Es ist nicht einmal ein schlechter Film, sondern durchaus unterhaltsam, sieht streckenweise nett aus und macht hier und da auch Spaß – allerdings ist es ein Film, bei welchem weitaus mehr drin gewesen wäre. Mehr Abenteuer. Mehr interessante Charaktere. Mehr Spannung. Einfach von allem mehr.

Wertung: 5/10

p.s.

Cinemaxx: Wer schreibt eure Texte? Wer ist Lara? Aguilar de WAS?

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