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Review: Apollo 11

Apollo 11

Trailer
Regie: Todd Douglas Miller
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 93 Minuten

16. Juli 1969. Heute vor genau 50 Jahren starteten Neil Armstrong, Edwin “Buzz” Aldrin und Michael Collins den vielleicht wichtigsten Flug in der Geschichte der Menschheit – zum Mond. Die erste Mondlandung erfolgte vier Tage später, am 20. Juli 1969. Und wenige Stunden später schrieb Neil Armstrong Geschichte, als er den Trabanten als erster Mensch betrat. In den nächsten drei Jahren sollten neben Armstrong und Aldrin weitere zehn Menschen den Mond betreten, doch während Antworten auf Fragen wie “Wie hieß die letzte Apollo-Mission, die auf dem Mond landete” oder “Wie hieß der letzte Mensch, der auf dem Mond war” heute eher skurilles Quiz-Wissen ist, hat man auch 50 Jahre später nicht die Faszination an diesem geschichtsträchtigen Flug verloren.

We came in peace for all mankind

Der Film von Regisseur Todd Douglas Miller ist eine Dokumentation in Spielfilm-Länge, die schon jetzt nicht unbegründet der Favorit für den Academy Award in der Kategorie “Best Documentary” ist. Miller konnte sich zuvor durch die knapp 20 Minuten lange Kurzdoku über den Flug der Apollo 17 (die letzte Mondlandung) einen Namen machen, wurde anschließend 2016 von CNN Films mit dieser Dokumentation hier beauftragt. Hierzu bekam er nahezu grenzenlosen Zugang zum Archiv der NASA, was ihm die Gelegenheit gab, den Film ausnahmslos mit Material aus diesem Archiv herzustellen. Es gibt keinen begleitenden Erzähler, keine Interviews von Zeitzeugen, nicht einmal die noch lebenden Buzz Aldrin oder Michael Collins kommen zu Wort. Stattdessen bekommt man einen nahezu lückenlosen Überblick über die Geschehnisse vom Start der Trägerrakete bis zur Wasserung im Pazifik.

Diese ungewöhnliche Art der Darstellung hat seine Vor- aber auch Nachteile. Einerseits wird die Faszination gut eingefangen, besonders wenn man Menschenmassen sieht, die um das Cape Canaveral in Florida campen um den Start des Trios nicht zu verpassen. Natürlich war diese Mission nicht nur ein nationales Ereignis, sondern wurde weltweit von über 600 Millionen Menschen an den Bildschirmen verfolgt – 1969!

One small step for man…

Andererseits ist besonders der Teil, bis das amerikanische Trio im Mondorbit eingezogen ist, hochgradig technisch. Ein Laie kann mit Abkürzungen wie CSM, AGC oder so nichts anfangen und zumindest im Originalton mit Untertiteln wird auch absolut nichts erklärt. Und so hört man sich minutenlang an, wie verschiedene Stationen berichten, dass dieses oder jenes System bereit ist und alles geschmeidig weiterlaufen kann. Persönlich hätte ich mir da etwas mehr für das gemeine Publikum gewünscht – zumindest eine Kurzbeschreibung oder dergleichen – damit man besser folgen kann und nicht vollkommen im Unwissen bleibt. Die Dokumentation soll schließlich keine Raumfahrtingenieure ansprechen, sondern das Kinopublikum.

Die Bilder hingegen sind – abgesehen von der kleinen Kamera, die Buzz Aldrin dabei hatte – beeindruckend. Es ist wirklich unfassbar, dass nichts nachgedreht wurde und nahezu alle Bilder tatsächlich vom Apollo 11-Projekt stammen (wenige Bilder sind von der Apollo 8-Mission). Die Bildqualität ist atemberaubend – im wahrsten Sinne des Wortes – und verschafft das ein oder andere Mal eine ordentliche Gänsehaut.

Die Momente, als Neil Armstrong dann am Morgen des 21. Juli 1969 seine Fußstapfen auf der Mondoberfläche hinterlässt, diese als pulverartig beschreibt und dann Buzz Aldrin fotografiert, als dieser ihm 20 Minuten später folgt, sind unvergleichlich. Einerseits die Leere, die Einsamkeit die nicht nur Michael Collins, der an Bord der Kommandokapsel stundenlang alleine im Mordorbit trudelte, sondern auch Armstrong und Aldrin spüren mussten. Knapp 380.400 Kilometer von der Heimat und 3,61 Milliarden Menschen entfernt. Absolute Pioniere, die Geschichte geschrieben haben. Im Übrigen – an alle Verschwörungstheoretiker: Die Flagge weht nicht. Nicht eine Sekunde. Das kann man auch auf den im Film gezeigten Bildern gut sehen.

… one giant leap for mankind.

Hervorzuheben ist außerdem der Soundtrack von Matt Morton, eingespielt auf Instrumenten, die es auch 1969 gab – ohne weiteren technischen Schnickschnack. Unfassbar schöne Musik! Persönlich trifft die Dokumentation sehr meinen Geschmack, da ich mich speziell für den Weltraum und darüber hinaus auch Science Fiction (mit Hang zum Realismus und Weiterdenken) interessiere. Und das, ohne die Physik und mathematische Leistung dahinter auch nur im Ansatz verstehen zu können. Manchmal denke ich, dass ich ein Jahrhundert zu früh geboren bin und ich ärgere mich, dass ich keine Mondlandung selbst miterlebt habe, mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Marslandung erleben werde und ich äußere stets mein Unverständnis, warum man bei unseren Möglichkeiten keine Menschen auf den Mond schickt. Einfach nur um es nochmal gemacht zu haben, es wäre DAS Erlebnis und wir könnten es mit unseren heutigen Kameras noch viel besser miterleben. Und tatsächlich ist im Moment geplant 2024 eine bemannte Mission zum Mond zu schicken. Alle Informationen zu den Artemis-Missionen gibt es hier.

In Berlin läuft der Film am 20. Juli – zum Jahrestag natürlich – im IMAX am Potsdamer Platz und von mir gibt es eine absolute Empfehlung, sich die Dokumentation auf der großen Leinwand anzusehen, wenn man auch nur irgendeinen Sinn für Raumfahrt, das Weltall und Astronomie hat. Tickets gibt es hier.

Abzüge gibt es von mir in der zu technischen Erzählstruktur und die Tatsache, dass man nichts über die Hintergründe der Mission und dem Rennen gegen die Sowjetunion erfährt. Stattdessen ist der Streifen nur eine Episode in der Mission, vom Start bis zur Rückkehr. Keine Hintergrundgeschichte über die Astronauten (hierfür müsste man wohl eher “Aufbruch zum Mond” mit Ryan Gosling, den ich noch nicht gesehen habe), keine Zeitzeugen und damit ein sehr oberflächlicher Überblick über das, was für 50 Jahren Geschichte schrieb.

Wertung: 7/10 Punkte

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