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Review: Aladdin


Aladdin

Trailer

Regie: Guy Ritchie
Erscheinungsjahr: 2019
Laufzeit: 128 Minuten

Heute vor exakt einem Monat habe ich den Entwurf für diese Review vorbereitet. Schön die Bilder ausgeschnitten, zurecht gelegt, alles vorbereitet. Das ganze Tamtam halt. Und dann dachte ich mir: Nein. Ich muss diesen Film ein zweites Mal gucken. Ich muss den Film noch einmal schauen mit dem Bewusstsein vorweg, das es einige Dinge gibt, die mich an sich stören und die mich total aus dem Film herausreißen und mich einfach darauf einlassen. Kann der Film unterhalten, wenn man ihn nicht ständig mit dem zeitlosen Klassiker vergleicht? Der im Übrigen mein absoluter Lieblingsfilm von Disney ist…

Alles neu in Agrabah?

Die Geschichte ist schnell erklärt: Aladdin (Mena Massoud) ist ein Straßenjunge in Agrabah, der mit seinem Affen Abu die Reichen bestiehlt und den Armen sein letztes Brot schenkt. Auf dem Marktplatz trifft er eine mysteriöse Schönheit (Naomi Scott, die nach dem miesen “Power Rangers” einen enormen Sprung hinlegt), die sich als Zofe der Prinzessin ausgibt, in Wahrheit aber selbst Prinzessin Jasmin ist. Aladdin kann sie nicht vergessen und bricht in den Palast ein, wo er allerdings nicht nur auf die Dame, sondern auch den Wesir Dschafar (Marwan Kenzari) trifft, der in Aladdin denjenigen sieht, der ihm endlich die Wunderlampe aus der Höhle der Wunder beschaffen kann. Aladdin packt die Lampe, Abu aber einen Rubin und so stürzt die Höhle zusammen, bevor Dschafar die Lampe in die Hände bekommen kann. Dafür aber reibt Aladdin die Wunderlampe und befreit so den hyperaktiven Dschinni (Will Smith). Von ihm wünscht sich Aladdin ein echter Prinz zu sein, damit er die Prinzessin heiraten kann, wäre da nicht der machtbesessene Dschafar, der sich Aladdin in den Weg stellt, weil er an die Lampe gelangen will.

Wer die Geschichte von Aladdin nicht kennt, hat einen Klassiker verschlafen. Und natürlich gibt es von der Story hier und da kleinere Unterschiede, wie beispielsweise, dass Jasmin keinen Prinzen wie Prinz Anders (Billy Magnussen) heiraten will, der dann zum Sultan wird, sondern sie selbst den Platz ihres Vaters (Navid Negahban) einnehmen möchte, um gütig über das Volk zu herrschen. Dafür bekommt sie sogar ihren eigenen “Frozen”-Moment mit dem tatsächlich gelungenen “Ich werd niemals schweigen” (im Original “Speechless”), der zwar musikalisch nicht zum Rest des Soundtracks passt, aber dennoch gut ins Ohr geht und bei dem Naomi Scott in ihrem zweiten Solo wirklich alles gibt – und den Song im Original auch selbst fantastisch singt. Respekt aber auch an die deutsche Gesangsstimme Julia Scheeser, tolle Leistung.

Komm mit mir in ein Land, wo die Texte anders sind

Sehr anstrengend ist es, dass von nahezu jedem einzelnen Song die Lyrics sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch verändert worden sind. Mitsingen ist also nicht mehr, auch wenn man das Original 25 Jahre im Ohr hatte. Wenn man überhaupt etwas versteht, denn besonders, wenn sich viele Stimmen zum Chor überlagern, kann man nur erahnen, was da eigentlich gesungen wird. Besonders fällt das bei “Prinz Ali” auf – bei dem man noch so gut hinhören kann und dennoch die Hälfte nicht versteht. Generell bietet der Film viele Hollywood-esque Tanzeinlagen ob mit oder ohne Gesang, die allerdings alle ein wenig sehr merkwürdig aussehen und fast so wirken, als würde man sie mit 1,5-facher Geschwindigkeit abspielen. Keine Ahnung, was da schief gelaufen ist, aber das macht vieles unfreiwillig komisch und wirkt nicht harmonisch.

Während Mena Massoud und Naomi Scott eher die Chemie von Geschwistern haben, ist Will Smith als Dschinni tatsächlich nicht so schlimm, wie man anfangs glauben konnte. Man sieht ihn seinem Spaß deutlich an, auch Navid Negahban als Sultan ist gut gewählt worden. Das heimliche Highlight ist aber Nasim Pedrad als Zofe Dalia, die mit ihrer Mimik für tolle Lacher sorgt. Allerdings ist Marwan Kenzari in der Tat so schlecht gecastet, wie man es nach dem Trailer vermuten konnte. Der Mann ist Mitte 30, wirkt nie wie ein weiser Wesir, noch wie eine Bedrohung, noch verschlagen oder sonst irgendwas. Meine persönliche Wahl wäre Jemand wie Saïd Taghmaoui gewesen, aber man kann ja nicht alles haben. Offensichtlich auch keinen guten Dschafar. Dafür aber nette Easter Eggs, wie beispielsweise wenn der fliegende Teppich im Hintergrund das Disney-Schloss im Sand baut. Sehr niedlich.

Ein zauberhafter Märchenfilm?

Guy Ritchie war einst als genialer Regisseur verschrien, der Ende der 90er Kultfilme wie “Bube, Dame, König, grAS” oder “Snatch” geschaffen hat und selbst nach seiner merkwürdigen Ehe mit Madonna noch “Sherlock Holmes” mit Robert Downey Jr. sehr gut hinbekommen hat. Doch seitdem hat er mit “Codename U.N.C.L.E.” und “King Arthur” eigentlich keine Filme mehr gemacht, die man irgendwem empfehlen kann, weswegen ich über seine Auswahl zum Regisseur sehr verwundert war. Und tatsächlich gibt es an der reinen Machart viele Dinge, die mich letztlich stören. Vom zeitweise sehr schlecten CGI abgesehen, ist der Film auch einfach enorm Dunkel. Aladdins Ausflug in die Wunderhöhle ist nicht anders, als würde er in irgendeine Grotte im Harz absteigen, der zauberhafte Teppichflug von Jasmin und Aladdin zu “Ein Traum wird wahr” wurde wahrscheinlich während der Wintersonnenwende aufgenommen. Beide krallen sich an den Teppich, als gäbe es kein Morgen mehr und sie düsen durch die sternenlose Nacht auf der wildesten Achterbahn der Welt. Enorm schade.

Aladdin hat seine Momente – also der Film. Aber letztlich ist dies wieder eines dieser Remakes, die man eigentlich nicht gebraucht hat und es ist auch echt nicht schlimm, wenn man diesen Film nie gesehen hat. Aber das Original, liebe Leute, das sollte man sich definitiv ansehen.

Wertung: 4/10

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