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Quo vadis, Lollapalooza?

Eigentlich schon lange bekannt – der Flughafen Tempelhof in Berlin, in welchem in diesem Jahr erstmals und im nächsten wieder das Lollapalooza stattfinden wird, soll eigentlich auch als Unterbringungsstätte für Flüchtlinge herhalten.

Eine sehr gute und sinnvolle Sache, allerdings scheint man dabei nicht bedacht zu haben, dass bei einem großen Zulauf von Flüchtlingen überhaupt kein Platz bleibt, ein riesiges Festival, wie das Lollapalooza zu veranstalten. Obwohl von offizieller Seite die ganze Zeit die Rede war, dass das Festival am 10. und 11. September 2016 weiterhin dort stattfinden soll, liest sich ein Artikel im Tagesspiegel ein wenig anders.

Während die SPD in Berlin, die immerhin den amtierenden Bürgermeister stellt (den ich im Übrigen nicht einmal erkennen würde, wenn er vor mir stehen würde), noch dafür ist, die Tempelhof-Pläne durchzuboxen und auszubauen, stellt sich die CDU nun quer und will stattdessen andere Standorte für Unterkünfte nutzen. So soll provisorisch und schnell eine Halle in Friedrichshain gebaut werden.

Nun kollidieren die beiden Parteien natürlich und schon im Dezember sollte der Ausbau des Flughafengeländes beginnen. Andererseits geht dem Senat natürlich die blühende Start-Up-Szene und ein Platz für Messen und dergleichen flöten.

Natürlich bin ich als Jemand, der bereits Tickets für das Lollapalooza hat, sehr zwiegespalten. Sehe ich es als notwendig an, dass die Flüchtlinge ein tatsächliches Dach über den Kopf erhalten und nicht auf dem Gelände vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeso) kampieren müssen? Natürlich. Allerdings war das Gelände auf dem Tempelhofer Feld auch einfach perfekt und ich sehe eigentlich keine Alternative in Berlin für solch ein Festival.

Bisher leben in drei Hangars bereits Flüchtlinge. Weitere Gebäude und Hallen sollen hochgezogen werden, wenn die SPD an den Plänen festhält, doch ein wirkliches Konzept gibt es nicht. Vor allem ist der Flughafen ein komplett denkmalgeschütztes Terrain und unterliegt noch einmal besonderen gesetzlichen Bestimmungen.

Laut dem Artikel wurden viele Konzerte, Messen und auch das Lollapalooza 2016 bereits abgesagt. Damit entgehen natürlich auch Einnahmen, wenn dies denn wirklich der Wahrheit entsprechen würde. Denn der Radio-Sender Fritz berichtet auf seiner Homepage, dass das Lollapalooza weiterhin stattfinden wird, nur der Ort sei noch nicht ganz klar.

Mich erinnert dieses Chaos ein wenig an das Berlin Festival, welches vor ein paar Jahren auch noch auf dem Tempelhofer Feld stattgefunden hat, dann aber nach unglaublich schlechter Kommunikation und undurchsichtigem Management plötzlich in einer Nacht und Nebel-Aktion in Clubs und Hallen rund um die Arena Berlin umgezogen ist und dort noch immer verweilt. Wenn es denn 2016 nochmal stattfinden wird.

Es steht noch immer kein Line-Up für das Lollapalooza 2016 fest und mich würde es im Moment nicht einmal überraschen, wenn das Festival nach seinem Debüt Berlin wieder verlassen würde. Eine alternative Location in der Hauptstadt, die zufällig an diesem Wochenende genug Platz hat, fällt zumindest mir nicht ein. Schade, dass die Kommunikation hier so dermaßen mangelhaft ist und zumindest meine Vorfreude sehr trübt.

UPDATE UM 17:34 Uhr:

Hier ein offzielles Statement der Lollapalooza Berlin-Facebook Seite:

[…] hier kommt direkt das Statement unserer Festivaldirektorin Fruzsina Szép:

„Das Lollapalooza Berlin Festival 2016 wird stattfinden! Trotz gegenteiliger Berichte des Tagesspiegel und der Berliner Zeitung in Berufung auf offizielle Aussagen der Tempelhof Projekt GmbH wird das Musikfestival auch im kommenden Jahr mit einem umfassenden Programm und namhafter Künstler begeisterte Besucherinnen und Besucher vor die Bühnen locken.

Wir, die Veranstalter des Festivals, wissen natürlich um die sensible Situation auf dem Gelände des ehemaligen Tempelhofer Flughafens und das dort geplante “Aufnahmezentrum für Flüchtlinge”. Wir stehen jedoch in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden der Stadt Berlin und der Tempelhof Projekt GmbH, um all unsere Optionen inklusive des Tempelhofer Flughafens zu prüfen und gemeinsam eine geeignete Lösung für unser Festival in der Hauptstadt zu finden.

Fans des Festivals können beruhigt sein, eine Absage steht nicht zur Debatte. Sobald sich Pläne für 2016 konkretisieren, werden wir diese natürlich kommunizieren.“

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