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Panic! at the Disco in Berlin – Das ging schon einmal besser.

Ich bezeichne mich durchaus als Fan der ersten Stunde. Vielleicht nicht der allerersten Stunde, aber ich habe Panic! at the Disco schon gehört, als die Band noch aus Brendon Urie, Ryan Ross, Spencer Smith und Jon Walker bestand (der schon der zweite Bassist war) und das Debütalbum “A Fever You Can’t Sweat Out” frisch veröffentlicht war.

Live habe ich das Quartett erstmals am 14. Oktober 2006 in der C-Halle gesehen, wo ich auch die schwedische Rock-Truppe The Sounds entdeckt habe, die noch immer großartige Musik waren. 2008 folgte dann am 28. Februar das zweite Konzert, dieses Mal im Huxleys. Und acht Jahre später und mit fünf Studioalben in der Tasche, aber nur noch einem einzigen festen Bandmitglied hat das Projekt aus Las Vegas, Nevada erneut in Huxleys Neue Welt eingeladen. Nachdem das neueste Album “Death of a Bachelor” eingeschlagen ist (Platz 1 in den US-Albumcharts, Platz 4 in den britischen, Platz 23 in den deutschen Albumcharts) und den Bogen zu den erfolgreicheren Tagen spannte, musste zur Abwechslung kein Konzert in Berlin abgesagt werden und so besuchte ich die Halle, die ich sonst in der letzten Zeit eher aus den Veranstaltungen der German Wrestling Federation kenne, um ein bisschen Musik zu hören.

Los ging es um 20 Uhr mit dem Einlass, der laut Facebook-Veranstaltung eigentlich eine Stunde vorher hätte starten sollen. Gut, das zog sich dann zwar ein wenig hin, war aber von den freundlichen Mitarbeitern flott geregelt und immerhin gab es eine der interessantesten Schlangenbildungen zu sehen, die ich je erlebt habe. Vom Huxleys die Hasenheide einmal runter, um eine Einfahrt herum und wieder zurück. So ist Deutschland.

Auf der Bühne selbst spielten als Vorband Tigertown, ein Elektropop-Quartett um Sängerin Charlie aus Sydney, Australien, welches sich auf Platte hoffentlich besser anhört, als in der Halle. Als nach einer relativ kurzen Umbaupause Brendon Urie selbst mit seiner Live Band loslegte, war ich mir nämlich sehr unsicher, ob Tigertown selbst oder die Akustik in der Halle dieses Mal einfach für die Tonne waren. Ich glaube inzwischen Letzteres.

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Zu Beginn erinnerte Panic! at the Disco an “Pulp Fiction”, so wurde Dick Dales “Misirlou” vom Band eingespielt, bis Urie selbst in Schwarz gekleidet, aber mit rotem Sakko auf der Bühne rockte. Voller Energie, mit wandelbarer Stimme und kompletter Band – also nicht nur Bassist, Schlagzeuger und Gitarrist, sondern auch drei Blasinstrument-Spielern – präsentierte Urie größtenteils natürlich das aktuelle, erfolgreiche Album, brachte aus jeder Phase der Band zumindest einen Song mit und mischte das Ganze gut durch. Auf den Opener “Don’t Threaten Me with a Good Time” aus dem aktuellen Werk folgte einer meiner absoluten Favoriten mit “Vegas Lights” aus dem Vorgänger “Too Weird to Live, Too Rare to Die!”, wonach dann “The Ballad of Mona Lisa” aus dem oft übersehenen Album “Vices & Virtues” kam.

Urie hatte sichtlich Spaß an der Stimme, doch in einigen Augenblicken war es nicht nur der dröhnende Bass, der einfach störte. Der Sänger selbst war beispielsweise bei “Time to Dance” (warum das ein Fan-Favorit ist, werde ich nie verstehen, in meinen Augen einer der schlechtesten Songs der Band) kaum zu verstehen. Da ich dachte, dass dies möglicherweise an meinem Platz auf einer der hinteren Tribünen lag, ging ich später in Richtung der Tontechniker in der Mitte der Halle, wo der Sound ja am Besten sein soll. Pünktlich zum einzigen Cover des Abends, als Urie “Bohemian Rhapsody” von meiner absoluten Lieblinsgband Queen anstimmte. Und nein, auch hier war der Sound wirklich nicht gut.

Dazu passte, dass gefühlt die Hälfte der Musik vom Band kam, Urie demnach mit sich selbst (oder Queen…) im Chor sang und seine Bandmitglieder wie Statisten ins Mikrofon “sangen”, allerdings nichts zu hören war. Das mag passieren, wenn man etliche, elektronische Elemente in den Songs platziert, allerdings hat mich dieses Semi-Playback enorm aus dem Konzert gerissen und massiv gestört.

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Dazu fand ich es mehr als schade, dass aus den ersten beiden Alben insgesamt mit dem schlechten “Time to Dance”, “Nine in the Afternoon” und dem immer noch bekanntesten “I Write Sins Not Tragedies” nur drei Songs aus der Anfangszeit in der Setlist waren. Natürlich ist es bei so einer Breite schwer, die richtige Mischung zu finden und man wird nie alle Fans zufrieden stellen, aber das ist ja dann auch irgendwie ein Zeichen an die Anfangszeit der Band.

Ich höre Panic! at the Disco noch immer sehr gerne, finde auch das aktuelle Album gut und bin ein großer Fan des Vorgängers. Von den drei Konzerten, die ich mittlerweile aber von der Truppe gesehen habe, hat mir dieses am Wenigsten gefallen. Eine One-Man-Show im Gegensatz zu einem Konzert einer Band, ein Produkt mit Energie, aber mit wenig Herz. Schade, Brendon. Das ging tatsächlich mal besser.

Soviel zu meinem Auftakt in den Konzert-November. Am Dienstag, den 15. geht es weiter mit The Lumineers, die den Folk in das Tempodrom bringen. Dann reise ich am Donnerstag, den 17. nach Hamburg, um da Bastille nach dem Lollapalooza 2015 zum Zweiten mal zu sehen und am Freitag, den 25. geht es zu Royal Republic! Was für ein Monat!

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