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No Man’s Sky – Meine Meinung

Kaum ein Spiel hat in diesem Jahr so einen Hype erfahren, wie “No Man’s Sky”. Gut, in diesem Jahr ist vielleicht sogar untertrieben, denn los ging es ja bereits zur E3 2014, als der erste Trailer gezeigt wurde. Als dann im Mai 2016 Jason Schreier von kotaku.com über Gerüchte der Verzögerung des Releases berichtete, erhielt der arme Mann sogar Morddrohungen. Morddrohungen. Was ist bitte los mit den Gamern?

Vor einer Woche war dann endlich die Veröffentlichung des Spiels auf der PlayStation 4 und auf dem PC und die Meinungen gingen auseinander. Fanboys vergötterten das Spiel, Hater zerrissen es und Leute, die vor dem Fall des Embargos möglicherweise berechtigte Kritik äußerten wie Sascha von HighscoreHeroes wurden ebenfalls angefeindet. Was ist bitte los mit den Gamern?

Leider besitze ich selbst weder eine PlayStation 4, noch einen funktionstüchtigen Gaming-PC (weiß jetzt allerdings wieder, worum ich mich kümmern wollte…) – allerdings hat mein Bruder Beides, also kam er am Samstag mit seiner Sony-Konsole vorbei, ich lieh das Spiel aus der Videothek aus und wir verbrachten die nächsten Stunden damit, das Universum zu erkunden.

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Was also ist “No Man’s Sky”?

Was kann es? Was kann es nicht? Was bietet es? Lohnt es sich?

In erster Linie ist “No Man’s Sky” ein Exploration-Game. Nachdem man in den ersten Missionen sein abgestürztes Raumschiff wieder flugfähig gemacht hat, fliegt man im ersten Sonnensystem von Planet zu Planet. Man findet Ressourcen, Isotope, Mineralien und dergleichen, mit denen man seine Ausrüstung oder sein Raumschiff aufbessern kann, interagiert mit den spärlich vorhandenen NPCs, entdeckt Pflanzen, Gesteine und Lebewesen. Der eigentliche Spaß ist: Alles, was man entdeckt, kann man benennen, wie man will. Ob nun eine komplette Galaxie, einen Planeten, einen Mond oder den kleinsten Nager, den man finden kann. Aber: Das Spiel ist definitiv nichts für Leute, die Spiele gerne zu 100% abschließen, denn dies wird einfach nie gelingen. Ich habe auf jedem Planeten, den ich besucht habe, mindestens eine Stunde verbracht. Auf einem mehr als Vier. Ich habe nie jede Lebensform entdeckt, nie jede Pflanze und auch nicht alle Speicherpunkte entdeckt. Und jetzt stelle man sich vor, dies kann man auf über 18 Trillionen Planeten machen. Kein Witz.

Die Technik hinter “No Man’s Sky” ist ein komplexer Algorithmus, der die Spielwelt prozedural generiert. Fauna und Flora werden demnach auf jedem Planeten neu aus bestimmten Elementen generiert, unterscheiden sich allerdings oftmals nur in Nuancen. So habe ich auf einen Planeten zwei verschiedene Lebewesen entdeckt, die sich allerdings nur in der Größe ihrer Hörner unterschieden hat.

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Langzeitmotivation?

Nach einiger Zeit schleicht sich bei “No Man’s Sky” ein “been there, done that”-Gefühl ein. Also eine Art Routine, da der Ablauf auf jedem Planeten gewissermaßen gleich ist: Landen, Umgebung absuchen, Ressourcen sammeln, Entdeckungen machen, abdüsen. Mit der Zeit kann man dann von einem Sonnensystem ins Nächste fliegen, wo der ganze Spaß wieder von vorne losgeht, bis man dann irgendwann die Mitte des Universums erreicht, was das eigentliche Spielziel ist.

Was für Zuschauer wahrscheinlich nicht sonderlich interessant ist, ist für Leute wie mich, die stark an Science Fiction interessiert sind, eine tolle, wenn auch kurzweilige Erfahrung. Sicherlich gibt es Aspekte, an denen Hello Games um Sean Murray noch arbeiten könnten (und werden). Die Welten generell sind sehr kahl und unterscheiden sich oftmals nur durch die Farbe des Bodens und des Himmels. Raumstationen und Forschungseinrichtungen sehen meist absolut identisch aus. Aber darüber hinaus ist die Grundidee von “No Man’s Sky” fantastisch, eben auch durch diese Kurzweiligkeit. “Ach, ein Planet geht noch”, “nur mal kurz landen und gucken”. Um sich dann doch in den Entdeckungen zu verlieren.

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“No Man’s Sky” ist kein Spiel, für welches ich mir die PlayStation 4 zulegen würde, allerdings ist es ein nettes, kleines Spiel für Entdecker und Leute, die denken, dass sie gut 100 Jahre zu früh geboren sind. Darüber hinaus ist “No Man’s Sky” allerdings auch ein Beispiel, was passiert, wenn ein Indie-Game durch den Hype aufgeblasen wird und fast an den Erwartungen der Spieler zerplatzt. Wer mit heftigen Raumschiffschlachten gerechnet hat (vereinzelt gibt es diese auch) und abwechslungsreicher Interaktion mit den unzähligen Online-Spielern (die gibt es absolut gar nicht) wird enttäuscht sein. Wer allerdings ein Spiel erwartet, bei dem man selbstständig und vollkommen frei auf Entdeckungsreise geht, wird mit “No Man’s Sky” viele Stunden Spaß haben.

Wer mal in das Spiel reinschauen will, dem empfehle ich das “Let’s Play” der HighscoreHeroes. Hier bekommt man wirklich einen guten Überblick über das Spiel, die Spielmechanik und erfährt auch durchaus berechtigte Kritik.

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