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Newsflash: Xavier Naidoo und Adele

Was war das bitte für eine Woche?

Ich persönlich hatte Urlaub und habe die Zeit genutzt um unter anderem – wie nahezu jede Person, die schon einmal einen Controller in der Hand gehalten hat – das Wasteland um Fallout 4 unsicher zu machen. Gut, ich habe das Spiel mittlerweile dreimal von Vorne begonnen, aber es macht mir immer noch Spaß. Dies ist auch der Grund, warum ich mich zu den aktuellsten Nachrichten nicht gemeldet habe, dies kann ich nun aber tagesaktuell nachholen.

Xavier-Naidoo

Xavier Naidoo beispielsweise machte in den letzten Jahren immer mal wieder Schlagzeilen. Mal mit irgendwelchen merkwürdigen Aussagen, die ihm jüngst den “Goldenen Aluhut” eingebracht haben, mal mit einer durchaus interessanten Musikshow, bei der die antretenden Künstler die Lieder untereinander austauschen. Nun sollte Xavier Naidoo so ganz ohne Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2016 nach Schweden fahren, was allerdings zu unglaublichen Shitstorms im Internet geführt hat. Wie solle Naidoo bitte für Deutschland antreten, wenn er selbst der Meinung ist, Deutschland sei gar kein Land, sondern eine Firma? Naidoo, der als Brothers Keeper doch irgendwie rechtspopulistische Parolen unreflektiert herausposaunt. Naidoo, der als Der Xer mit dem möglicherweise beschissensten Dubstep-Album “Mordsmusik” dafür gesorgt hat, dass diese Robotermusik glücklicherweise keinen Zugang in den deutschen Pop gefunden hat.
Nicht, dass ich etwas gegen Xavier Naidoo hätte, der Typ ist mir so dermaßen egal, dass ich sein Leben nicht sonderlich verfolge. Ich habe weder seine Show gesehen, noch seine komischen Reden mit eigenen Augen gesehen und kann mir nur mit Halbwissen zusammenreimen, was er da über das noch immer besetzte Deutschland gefaselt hat. Es ist mir einfach egal. Abgesehen von “Dieser Weg”, was nun auch schon wieder knapp zehn Jahre alt ist, hat Naidoo für mich seit seinem Debütalbum auch nichts Relevantes mehr veröffentlicht. Musikalisch gesehen. Aber dass dieser Kasper sich einfach mal beim NDR meldet und sagt: “Hey Leute, ich hab ja hier so dafür gesorgt, dass Yvonne Catterfeld und die Prinzen wieder ins Fernsehen gekommen sind. Ich will jetzt nach Stockholm” und die Intendanten das dann so dermaßen feiern und ihm ein Freilos präsentieren, fand ich dann doch… unglücklich. “Unser Song für Xavier” sollte es geben, bei welchem die Zuschauer dann abstimmen, mit welchem Lied der Sohn Mannheims dann nach Skandinavien fährt. Allerdings waren die Bedenken dann doch zu groß und heute wurde das Ganze abgeblasen. In meinen Augen eine sehr gute Idee, denn wenn selbst in unserem Land nicht so ganz klar ist, welche Aussagen der Soulsänger nun wie meint, würde das in der internationalen Presse mit Sicherheit noch mehr ausgeschlachtet werden. Damit reiht sich die Nicht-Teilnahme von Xavier Naidoo in eine ganze Menge obskurer Informationen aus seiner Biographie ein, von der Bezeichnung Mannheims als “Neues Jerusalem” bis zu seiner erfolglosen Anzeige gegen u.a. den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler wegen Hochverrats.

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Ganz und gar nicht erfolglos hingegen ist Adele. Die stimmgewaltige Sängerin hat am 20. November ihr drittes Studioalbum “25” veröffentlicht, an welchem sie mehrere Jahre arbeitete und das Konzept aufgrund einer Schreibblockade sogar vollkommen abänderte. Ihre erste Single “Hello” brach nicht nur in Amerika den Rekord für die meisten Downloads innerhalb von 24 Stunden, die Ballade schaffte es in über 20 Ländern an die Chartsspitze. Gleichzeitig. Unfassbar.

Mit Spannung erwarteten nicht nur die guten alten Plattenhänder das neue Album der Sängerin, natürlich stellten sich auch die Streamingdienste wie Spotify, Apple Music und Deezer auf das Album ein. Doch einen Tag vor der Veröffentlichung entschied sich Adele mitsamt ihrem Management, das Album nicht zum Streaming zur Verfügung zu stellen. Stattdessen kann man das Album nur physisch oder digital kaufen. Damit folgt die Sängerin dem Beispiel von Taylor Swift, die nicht nur ihr Album “1989”, sondern ihre gesamte Diskografie aus Spotify entfernen ließ, da sie vom reinen Streaming kaum Profit erhalten würde. Persönlich ist das für mich ein zweischneidiges Schwert, denn ich kann mir tatsächlich kaum vorstellen, dass ein Dienst wie Spotify viel seiner Gewinne an die Künstler abtritt. Adele und Taylor Swift werden mit Sicherheit viel mehr daran verdienen, wenn die Fans das Album kaufen, als wenn ein Free-User das Album bei Spotify streamt. Gleichzeitig denke ich mir aber auch: Wenn ich das Album nicht streamen kann und ich es mir nicht zusätzlich meinem Betrag X, den ich für meinen Streaming-Account ausgebe, kaufen möchte, dann habe ich entweder die Wahl das Album einfach an mir vorbeigehen zu lassen oder aber es mir illegal zu besorgen. Fördert so eine Haltung das also nicht, wogegen die Musikindustrie eigentlich ankämpfen will?

Weiterhin habe ich durch Spotify im letzten Jahr etliche Bands und Künstler kennen- und liebengelernt. Interpreten, für die ich zusätzlich Geld ausgebe, weil ich auf Konzerte gehe und mir Merchandise wie T-Shirts kaufe. Ich konnte dank Spotify in alle Künstler beim Lollapalooza reinhören und habe so schnell Bands entdeckt, die ich mir noch auf die Liste gesetzt habe. Das würde wieder wegfallen, wenn auch kleinere Bands dem Beispiel folgen würden.

Ich bin absolut dafür, dass ein Künstler selbst entscheidet, wie er seine Musik seinen Fans zur Verfügung stellen will. Ich feiere jede Band, die beispielsweise einen Gratis-Song raushaut, bevor es an das eigentliche Album geht, weil das viel mehr Sinn ergibt, als ein Album “vorzubestellen” und dabei einen Song zu bekommen. Wenn Adele möchte, dass die Fans ihr Album wirklich kaufen, dann ist das ihr gutes Recht. Aber das bedeutet für mich auch, dass ich nicht mal eben so in das Album reinhören kann. Vielleicht wird das Album irgendwann den Weg zu den Streaming-Diensten finden, schließlich gibt es ja sonst alle Songs von Adele dort zu hören. Wenn nicht, werden die Fans schon Wege finden oder ihr Portemonnaie zücken, um “25” zu hören.

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