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Review: Guitar Hero Live

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Am Freitag, den 23. Oktober war es soweit: Guitar Hero Live wurde veröffentlicht. Irgendwie. Eigentlich hätte Amazon es liefern sollen, aber die hatten offenbar irgendwelche Schwierigkeiten. Und in Berlin schien es nur Saturn am Alexanderplatz auf Lager zu haben. Was solls, kann man ja mal machen. Eine Stunde und 99 Euro später hielt ich einen Karton in der Hand, den ich dann auspackte. Ein Spiel. Ein kleiner USB-Adapter. Eine deutlich kleinere Gitarre als die Rock Band-Instrumente. Willkommen Guitar Hero Live, in deinem neuen Zuhause.

Und Willkommen zu meiner Review über den neuesten Ableger der fröhlichen Gitarren-“Simulation”. Wie es überhaupt zum siebten Hauptteil des Spiels gekommen ist, könnt ihr in diesem Eintrag lesen, heute soll es darum gehen, ob sich das Spiel trotz oder gerade wegen der vielen Neuerungen lohnt und ob die Abwandlungen wirklich frisch wirken oder keine gute Idee waren.

Zwei Spielmodi stehen zur Verfügung, “GH Live” und “GH TV”, das Spiel selbst allerdings startet mit einem Tutorial. Ein tatsächlich realer, gefilmter Roadie drückt dir (in Ego-Perspektive) eine Gitarre in die Hand und bringt einem die neuangeordneten Knöpfe der Gitarre näher. Die obere Reihe für die schwarzen Noten, die untere Reihe für die weißen Noten.

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Zu Beginn die richtigen Tasten zu treffen, gestaltet sich auch für Jemanden, der diese Spiele nach dem alten Prinzip mit fünf Tasten auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gespielt hat, durchaus kompliziert. Klar, der kleine Finger muss nicht mehr gedrückt werden, aber nicht nur, dass man jetzt zwei Reihen mit je drei Knöpfen hat, Akkorde greifen sich nun anders und Barré-Griffe, also dass man quasi einen Bund abgreift und zwei Knöpfe untereinander halten muss, gab es vorher auch nicht. Gut aber, dass das Spiel mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden auch Anfänger und Neueinsteiger sanft auffängt und den Spieler zu Beginn nicht überfordert.

GH Live

Nach erfolgreichem Tutorial darf man der ersten Band auch gleich auf die Bühne und befindet sich dann mitten im “GH Live”-Modus: Dieser besteht aus zwei Festivals namens “Rock the Block” und “Sounddial”. “Rock the Block” spielt in Amerika und “Sounddial” ist ein britisches Festival und beide laden Bands die unterschiedlicher kaum sein könnten. The OutOuts sind beispielsweise eine fiktive Girl Group, die gerne moderne Pophits spielt. Die Quantum Freqs hingegen spielen eine bunte Fusion aus Hip Hop, Dubstep, Indie und alles Drumherum. Es gibt Metal-Bands, Indie Folk-Bands, Punk Rock-Bands, alles, was das Herz begehrt und das Gute: Man selbst ist der Gitarrist in all diesen Truppen.

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Im Verlauf von “GH Live” steht man mit zehn verschiedenen Bands auf etlichen Bühnen vor echtem Publikum und erlebt alles aus der Ego-Perspektive. Macht man seine Sache gut, dann jubeln die Zuschauer und singen die Songs aus voller Kehle mit. Versaut man allerdings die Performance, dann sind nicht nur die Zuschauer sauer, auch die Bandkollegen zeigen deutlich, wie enttäuscht sie vom Auftritt sind. Die eigene Leistung bestimmt also, was man erlebt, was man sieht und zwischenzeitlich fühlt man sich wirklich wie auf der Bühne. Natürlich ist das alles irgendwo cheesy und wenn einem ein Roadie nach einem Solo enthusiastisch den Daumen hochhält, ist das schon irgendwo übertrieben kitschig. Aber gerade dass sich der Modus nicht ernst nimmt und alle Beteiligten von den Sängern über die Mitarbeiter bis zum Publikum bei den Dreharbeiten eine Menge Spaß hatten, ist deutlich zu sehen.

Die kompletten Setlists der verschiedenen Bands auf den Festivals findet ihr separat auf dieser Seite. Beim Durchspielen machten mir überraschenderweise der Auftritt der Quantum Freqs beim “Rock the Block” mit dem Dubstep-Kracher “Bangarang” von Skrillex und der komplette Auftritt des Portland Cloud Orchestras mit “Ho Hey” von The Lumineers und “Mountain Sound” von Of Monsters and Men am meisten Spaß.

Insgesamt bietet der Modus 42 Songs bei 13 Auftritten und ist leider ein wenig zu schnell durchgespielt. Natürlich kann man die Songs und Auftritte jederzeit nacherleben und im Schnellen Spiel (auch mit einem zweiten Gitarristen oder Jemandem am separatem Mikrofon) komplett, einzeln oder in anderer Reihenfolge wiederholen, allerdings gibt es diese Songs auch definitiv nur “live”. Wem das Konzept also nicht gefällt, wird diese 42 Songs nicht in anderer Weise spielen können. Der Modus selbst ist allerdings sehr liebevoll gestaltet, es gibt vor den Auftritten ein kleines Kennenlernen der Band und man kann viele Hintergrundinfos zu den fiktiven Festivals und Gruppen freischalten. Ob sich das allerdings wirklich Jemand durchliest, sei dahingestellt. Auch wenn der Aufwand das Ganze zu drehen sicherlich recht hoch war, hoffe ich dennoch, dass hier in Form von DLC etwas Nachschub kommt, denn mir hat die ganze Sache viel Spaß bereitet.

GHTV

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Wesentlich größer fällt der zweite Modus des Spiels aus: “GHTV”. Das Konzept gleicht einer Mischung aus MTV und Spotify. Derzeit zwei Kanäle laufen 24 Stunden lang mit um die 200 Songs in verschiedenen Themengebieten und man kann jederzeit einsteigen und mitspielen. Hierbei läuft im Hintergrund das Musikvideo des Liedes, an der Seite sieht man eine Rangliste mit den anderen Spielern, die live dabei sind. Eine fantastische Möglichkeit neue Songs kennenzulernen oder aber einfach ein paar Lieder durchzuspielen.

Man verdient hierbei Erfahrungspunkte und Münzen, die für verschiedene Power-Ups, Extras oder sogenannte Premiumshows verwendet werden können. Dies sind Shows mit Live-Auftritten von Bands oder Songs, die noch nicht in der On-Demand-Mediathek stehen. Ja, man kann anstelle der Kanäle auch jederzeit Songs, die in den Kanälen verwendet werden, spielen. Allerdings nur gegen sogenannte “Durchläufe”. Das größte Manko von “GHTV” ist nämlich: Keiner der Songs, die On-Demand bereitgestellt werden, wird garantiert für immer zur Verfügung stehen. Es gibt keine Option die Songs zu “kaufen” und damit für sich selbst zu speichern.

Das Gute ist: Man wird bei jedem Level-Aufstieg mit diesen “Durchläufen” zugeschüttet. Ein Durchlauf bedeutet, dass man ein Lied aus der Mediathek einmal spielen kann. Läuft also tatsächlich nichts in den Kanälen von “GHTV” was einem gefällt muss man also auf diese Möglichkeit zurückgreifen, wenn man nicht warten will oder keine Lust auf die “GH Live”-Songs hat. Das klingt auf dem Papier erst einmal schlecht. Wirklich. Vor allem, weil laut den Entwicklern die Songs im “GHTV” regelmäßig ausgetauscht werden sollen. Songs, die wenig gespielt werden, fliegen wie bei einem Fernsehsender aus dem Programm und werden durch populärere Tracks ersetzt. Allerdings bekommt man diese dann auch stets über die Mediathek zur Verfügung gestellt und muss nie dafür bezahlen, neue Songs spielen zu können. Man muss nur seine In-Game-Währung ausgeben, wenn man zu einem bestimmten Zeitpunkt ein bestimmtes Lied spielen will.

Natürlich ist es auch möglich für die Durchläufe auch echtes Geld auszugeben. Da allerdings bei mir noch nicht die Notwendigkeit bestand (ich habe bisher vielleicht vier oder fünf Durchläufe seit Freitag ausgegeben und noch gut 25 Durchläufe auf dem Konto), habe ich mir diese Optionen nicht wirklich angeguckt. Für – ich glaube – 5,99 Euro kann man auch die komplette Mediathek für 24 Stunden freischalten. Eine sinnvolle Option, wenn man weiß, dass ein paar Freunde vorbeikommen und die tatsächlich einfach alles durchspielen wollen ohne auf Kanäle zu achten. Aber die Kritik an dem Konzept ist durchaus berechtigt, wenngleich ich sie nicht teile, da ich mich bei den Kanälen noch nicht gelangweilt habe.

Fazit

Insgesamt bleibt ein Spiel welches sich durch die neuen Möglichkeiten wirklich frisch anfühlt. Ich taste mich bei der Gitarre langsam an den zweithöchsten Schwierigkeitsgrad und lerne das Spielen mit der Plastikklampfe wirklich neu. Und ich verzweifele an einigen Akkorden, merke aber doch einen Fortschritt. Und dieses Gefühl hatte ich zuletzt beim ersten “Rock Band”.

Der “GH Live”-Modus macht ungeheuren Spaß, ist aber einfach zu kurz geraten. Da könnten gut und gerne noch ein paar Sets hinzukommen. Auch ist die Musikauswahl sehr bunt durchgemischt. Es gibt Metal, es gibt Pop, es gibt Rap und somit wird das Ganze eben nicht zu eintönig. Klar gibt es Songs, die mir absolut nicht gefallen, aber gleichzeitig hab ich schon jetzt viele neue Songs kennengelernt.

“GHTV” ist modern, frisch und wirklich an die heutige Zeit angepasst. Schneller Zugang auf viele Songs und solange man beim Level Up weiter mit “Durchläufen” zugeschüttet wird, ist das alles auch sehr fair gestaltet. Doch ich bin noch auf Level 6 und muss daher schauen, ob das Konzept auch so fair bleibt. Und knapp 200 Songs ist natürlich auch eine Hausnummer, hier ist für Jeden etwas dabei.

Für mich war es offensichtlich die richtige Entscheidung, auf “Guitar Hero Live” zu setzen. Es fühlt sich neu an, es fühlt sich wie ein Schritt in die richtige Richtung an. Vom Prinzip braucht man nun nicht alle halbe Jahre neue Ableger der Serie, da man das Grundspiel beliebig erweitern kann und vielleicht sogar noch weitere Einnahmen kreiert. Ich ziehe den Hut vor FreeStyleGames und Activision, da sie mich als aktiven Spieler zurückgewonnen haben. Ein sehr gutes, liebevoll inszeniertes und spaßiges Spiel, bei dem das Preis-Leistungs-Verhältnis definitiv stimmt.

Im Moment ist das Bundle mit einer Gitarre und dem Spiel von 95 auf 79 Euro runtergesetzt. Schlagt also zu!

Von mir gibt es eine 8/10 Wertung. Es ist noch Luft nach oben, aber es fühlt sich verdammt gut an, wieder zu rocken.

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