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Guitar Hero Live: Neue Wege, neues Glück?

In der letzten Woche gab es von und auf meiner Seite viel Lesematerial über “Rock Band 4”, welches von der Branche ganz akzeptable Reviews im um die 80 Prozent bekommt. Verständlich, da das Spiel in der Basis ja solide ist, allerdings ist es damit auch von den Hauptspielen mit das am schlechtesten bewertete Spiel, denn sowohl “Rock Band 2”, als auch “Rock Band 3” hatten Wertungen über 90 Prozent.

Während Harmonix seit jeher darauf setzte, das bestehende Grundgerüst nur in Nuancen zu verändern, suchte Activision seit “Guitar Hero III: Legends of Rock” nach dem richtigen Erfolgskonzept. Mal ein Spiel für die Freunde harter Metalmusik mit entsprechendem Schwierigkeitsgrad, mal ein poppiges Bandspielchen für die ganze Familie. Während man in den Vorjahren in den ersten Tagen nach Release bei “Guitar Hero III” noch 1,5 Millionen Exemplare und bei “Guitar Hero World Tour” immerhin noch 0,5 Millionen absetzen konnte, verkaufte sich “Guitar Hero: Warriors of Rock” nur 86.000 mal.

Warum nun aber doch ein “Guitar Hero Live”?

Bereits 2011 plante Activision ein Reboot, welches man glücklicherweise wieder in die Tonne kloppte. Mitte 2014 verabschiedete sich dann noch Neversoft, die für die Hauptspiele als Entwickler verantwortlich waren. Zum Glück hatte Activision mit FreeStyleGames noch ein anderes, sehr ambitioniertes Studio am Start.

FreeStyleGames wurde 2002 von ehemaligen Mitarbeitern von Codemasters und Rare gegründet. Nach einigen kleineren Spielen wurde das Studio dann von Activision aufgekauft und durfte 2009 “DJ Hero” auf den Markt bringen. Ein Spiel, welches dem “Guitar Hero”-Prinzip folgte, allerdings mit einem Turntable-Controller.

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Man mischte also hier eifrig verschiedene Künstler zu tanzbaren Mash-Ups zusammen. Hier und da halfen auch etablierte Acts mit eigenen Mixen aus, beispielsweise Daft Punk, die einige Megamixes (also Mash-Ups ihrer großen Hits) und Remixes selbst beisteuern. Wie beispielsweise den Mix aus “Robot Rock” und Queens “We Will Rock You”.

Allerdings verkaufte sich ein Jahr später “DJ Hero 2” aufgrund der Übersättigung des Musikspiel-Marktes kaum noch, obwohl das Spiel sehr ordentlich war. Hiernach veröffentlichte das Studio in Zusammenarbeit mit Nintendo das Karaoke-Spiel “Sing Party”, wonach es allerdings recht ruhig wurde… bis “Guitar Hero Live” angekündigt wurde.

Doch was macht “Guitar Hero Live” nun anders? Nicht nur hinsichtlich “Rock Band”, sondern auch gegenüber den alten Teilen?
Kurz angerissen wurde bereits der neue Gitarren-Controller, der nun anstelle von fünf nebeneinander stehenden Tasten mit sechs in zwei Reihen untereinander liegenden Tasten daher kommt. Dies soll dazu dienen, den kleinen Finger beim Spielen wegzulassen, wodurch das Spielerlebnis insgesamt einfacher für Einsteiger, aber auch schwieriger zu meistern sein soll.

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Was genau erwartet den Spieler allerdings, wenn er sich nun entscheidet, entweder das Bundle mit einer oder das Bundle mit zwei Gitarren zu kaufen? Zuerst eine Überraschung, denn tatsächlich kann man ein USB-Mikrofon an die Konsole anschließen und doch wie in alten Teilen mitsingen. Habe ich erst kürzlich erfahren und zumindest verbindet man so “Guitar Hero” mit Karaoke, wenngleich es natürlich kein komplettes Banderlebnis gibt.

Der Vorgänger “Guitar Hero: Warriors of Rock” hatte einen abstrusen Storymodus, genannt “Quest Mode”, welcher immerhin von KISS-Sänger Gene Simmons stimmlich begleitet wurde. Hier musste man nacheinander die ganzen Charaktere freispielen, indem man jeden einzelnen Song des Spiels spielte. Und dann durfte man gegen den Endgegner rocken. Einfach, aber vollkommen abgedreht. Der titelgebende Storymodus bei “Guitar Hero Live” dreht das Spektakel, dass man sonst erlebt, ein wenig um. Bei den üblichen Gitarrenspielen blickte man auf die Band beim Auftritt, schön mit Scheinwerfern, Nahaufnahmen beim Solo und so weiter. “Guitar Hero Live” zeigt den Gitarristen aus der Ego-Perspektive und wie er als Mitglied von verschiedenen Bands bei zwei Festivals loslegt. Der Fokus ist hier auf die eigene Performance und auf die Stimmung des Publikums gerichtet. Spielt man schlecht, buht die Crowd. Spielt man gut, kann die Party losgehen. Hier hat man keine Zuschauer animiert, sondern tatsächlich Bühnen gebaut und echte Personen aufgenommen. Wieviele verschiedene Aufnahmen das letztendlich sind und ob diese Bilder sich nicht schnell wiederholen, ist noch nicht abzusehen, die Gefahr ist allerdings vorhanden. Und es klingt mehr nach einem netten Gimmick als nach einem wirklichen Karrieremodus.

Dennoch ist es beeindruckend, welche Arbeit man in diese Bilder legte, zwischen 200 und 400 Darsteller waren an den Aufnahmen beteiligt, es gab mehrere Einstellungen um eben die Wechsel zwischen guten und schlechten Reaktionen besser zeigen zu können, zudem wird man auch die anderen Bandmitglieder sehen können. In zehn verschiedenen Bands soll man in diesem Modus spielen können, doch wie die Langzeitmotivation hier aussieht, wird man abwarten müssen. Vor allem, da der Modus auf die tatsächlichen Songs auf dem Spiel beschränkt ist, da die Aufnahmen dynamisch an diese angepasst sind. Downloadable Content wird hier nicht zur Verwendung kommen. Dafür aber etliche andere Songs, die teilweise schon in anderen Spielen aufgetaucht sind. Aber da man seine alten Songs eh nicht verwenden kann, muss so ein Neuanfang wohl her. Dabei sind unter anderem Green Day, The Killers, My Chemical Romance, The Rolling Stones, Weezer, Rage Against the Machine, System of a Down, Echosmith, Incubus aber auch Pop- und Elektrosongs von Calvin Harris oder Skrillex. Huh?

Das zweite Kernstück von “Guitar Hero Live” nennt sich “GHTV”. Und das ist nichts anderes, als permanente Musiksender, in welche man sich als Spieler jederzeit einklinken kann. Die Sender (ich meine, es wären zwei) spielen rund um die Uhr Musik und man muss einfach nur seine Gitarre schnappen, wenn man mitspielen will.
Gefällt einem die Musik auf einem Sender nicht, wechselt man einfach zum Nächsten. Eine Mischung aus einem Radiosender und MTV, denn im Hintergrund laufen die originalen Musikvideos oder echte Mitschnitte aus Live-Konzerten. Das Angebot soll mit neuen und alten Songs auch stetig erweitert und ausgetauscht werden, je nachdem wie gut die Songs beim Publikum ankommen. Zudem kann man sich “Live” mit anderen Leuten, die ebenfalls online spielen, messen. Leaderboards, Vergleiche, alles dabei. Hierbei verdient man sich dann In-Game-Währung, die man in Powerups oder andere Dinge stecken kann. Natürlich kann man sich auch weitere Songs per DLC kaufen.
Auf dem Papier klingt das recht interessant, da man so ein stetig aktualisiertes Angebot an Musik erhält und einfach nebenbei ein wenig jammen kann. Hat man keine Lust darauf, kauft man sich eben Songs, die man jederzeit spielen kann. Dann muss man nicht darauf warten, dass der Songs mal bei GHTV rotiert. Der Nachteil aber: Activision und FreeStyleGames machen einen Hehl aus dem Bezahlmodell. Es soll Premium-Sender geben, doch wie die genau bezahlt oder freigeschaltet werden, keine Ahnung. Was kostet ein Song? Muss man die Channel wie Spotify abonnieren? Scheinbar wird man abwarten müssen.

Richtig ist, dass sich Activision dem Musikmarkt anpasst und Musik tatsächlich “On Demand” anbietet. Einfach mal eine Runde jammen am Abend? Passt. Doch wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis hier? Habe ich unbegrenzt Zugriff auf GHTV oder muss ich dafür monatlich etwas abdrücken?

Es ist eigentlich immer ein schlechtes Zeichen, wenn Entwickler und Publisher nicht in die Details gehen. So klingt “Guitar Hero Live” an sich mächtig interessant. Ein wirkliches Live-Gefühl, dass man wirklich ein Gitarrist in einer Band ist. Das Erlebnis wieder Musikvideos zu sehen und dabei auch noch zu spielen – klingt super. Doch auch wenn Spiel und Instrumente billiger sind als bei der Konkurrenz, wenn einfach im Moment – eine Woche vor dem Release, denn das Spiel kommt am 20. Oktober raus – unklar ist, wie genau einer der Kernmodi funktioniert und finanziert wird… dann schmeckt das komisch.

Sofern Activision hier noch nachlegt und das Modell genauer erklärt, könnte sich hier richtige Konkurrenz anbahnen. Online gegen andere Leute spielen? Ja. Den Spieß umgedreht und ein wirkliches Erlebnis? Scheint vorhanden. Stetig erweiterter Content? Okay, zu welchem Preis?

Ich behalte “Guitar Hero Live” in jedem Fall im Auge und bin gespannt, wie diese Fragen beantwortet werden.

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