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Freddie Mercury und ich

Heute vor 24 Jahren verstarb Freddie Mercury in seinem Haus in Kensington, London, nur einen Tag nachdem er seine zuvor lange geleugnete AIDS-Erkrankung mit einem öffentlichen Statement bestätigte, im Alter von 45 Jahren.

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Es gibt im Internet viel über den Leadsänger von Queen zu lesen. Seine komplette Biographie findet sich sehr ausführlich auf Wikipedia, von seiner Geburt auf Sansibar, seine Anfänge bei der Band Smile, der Durchbruch mit Queen, Live Aid, Wembley, seine nie offiziell veröffentlichten Duette mit Michael Jackson und das wilde Partyleben. Darüber brauche ich gar nichts zu schreiben, denn wer das alles wissen will, findet Mittel und Wege, sich diese Informationen zu beschaffen.

Was allerdings bedeutet Freddie Mercury und seine Band Queen für mich? Immerhin würde ich jederzeit die Frage nach meiner Lieblingsband mit Queen beantworten, muss gleichzeitig aber zugeben, dass ich noch nie alle Alben komplett durchgehört habe, bei weitem gar nicht alle Songs kenne. Bei weitem. Es gibt einfach zu viele und ich entdecke mit den Jahren nach und nach weitere Lieder versteckt unter den 13 Studioalben, die zu Freddie Mercurys Lebzeiten aufgenommen worden sind, die mir gefallen.

Verantwortlich für meine Verehrung der Kunst, die andere Leute simpel Musik nennen, ist meine Mutter, die insgeheim eine kleine Rockerin in ihrer Jugend war. Meine Mutter hat zwei absolute Lieblingsbands – auf der einen Seite T.Rex, die ich zugegebenermaßen ausschließlich auf “Get It On” erkennen würde und auf der anderen Seite das legendäre Quartett namens Queen.

Während ich zu T. Rex nie irgendeinen Zugang erhalten habe, hat mich das erste Greatest Hits-Album von Queen sofort begeistert. Als kleines Kind versteht man zwar nicht, warum da “Galileo” und “Figaro” gekreischt wird, aber es ist laut, es ist bunt, es ist toll. “We Will Rock You” kann man toll mitklatschen. Ich war zwar nicht in der Lage, die Musik an sich zu erfassen, zu verstehen, aber dennoch war ich sofort gefesselt.

Mein richtiger Hype um Queen und Freddie Mercury ging allerdings erst 1991 los. Das zweite Greatest Hits-Album hatte Songs, die mir noch besser gefielen, als das Erste. “I Want to Break Free” und “Radio Gaga” beispielsweise, die für so einen jungen Knirps wie mich auch lustige Musikvideos hatten und es für mein Weltbild überhaupt kein Problem war, einen Mann mit Schnauzer in Frauenkleidern zu sehen.

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Ende des Jahres 1991 verstarb Freddie Mercury, doch in mir keimte die Liebe zur Band erst so richtig auf. Während Kinder im Fernsehen bei der Mini Playback Show die Stars imitierten, veranstaltete ich im Kindergarten bzw. Hort meine eigene Show, warf mich in einen Pelzmantel und performte dort mit ein paar Freunden ein paar Songs, die mir mein Vater von der CD auf eine gelbe Kassette überspielt hatte. Dieses Kunststück mussten wir auch bei einem Geburtstag wiederholen, wofür natürlich erst einmal die Kassette geholt werden musste. Diverse Kassetten und später auch CD-Player ließen Queen mich auf den stundenlangen Autofahrten im weißen Mitsubishi nach Frankreich begleiten. Auch etwas, das ich nie vergessen werde.

Ich erinnere mich auch noch daran, wie ich den Songtext von “The Show Must Go On” aus der BRAVO mit in die Schule brachte. Ich habe allerdings keine Erinnerung mehr daran, wieso ich mit ein paar Mitschülern plötzlich in der zweiten Klasse vor der Tafel saß und wir versucht haben mit unseren nicht vorhandenen Englischkenntnissen dieses Lied acapella zu singen. Ich erinnere mich aber noch recht gut an das Gefühl wie peinlich das war, da schief und quer zu trällern.

1991 starb zwar Freddie Mercury, allerdings nicht Queen. Im April 1992 fand das Freddie Mercury Tribute Concert im Wembley-Stadion statt, bei der David Bowie gemeinsam mit Annie Lennox “Under Pressure” sang und George Michael bei “Somebody to Love” bewies, dass er einer der wenigsten Menschen ist, die gesangstechnisch an Mercury herankamen.

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Je älter ich wurde, umso mehr bin ich von den eingängigen Songs weggekommen und habe mich den komplexeren Stücken aus der Feder der Band gewidmet. “Another One Bites the Dust” hat zwar den Groove, kann ich heute aber kaum noch hören. Auch “Radio Gaga” klingt zwar nett, ist aber auch wieder zu eingängig. Seit ein paar Jahren nenne ich “Under Pressure” als meinen Lieblingssong von Queen, ein Lied, welches bei einer Jam-Session zwischen Queen und David Bowie entstand. Das war aber nicht immer so, ganz im Gegenteil. Zu der Zeit, als ich “Under Pressure” nochmal neu entdeckte, ging ich eigentlich mehr auf “Breakthru” oder “Hammer to Fall” ab, Songs von Queen, die einfach rockig nach vorne gingen, zum Mitsingen. Doch wie so oft kam eine Frau dazwischen.

Über gemeinsame Freunde – Shoutout an Nadine – lernte ich Ceren kennen, die zumindest damals Queen ähnlich gut fand, wie ich. Also sprachen wir auch über Queen und ihr Lieblingssong der Band war damals natürlich “Under Pressure”. Also gab ich dem Song, den Vanilla Ice später als “Ice Ice Baby” verwurstete, nochmal eine Chance. Dem konfusen Musikvideo, in dem weder Queen, noch David Bowie überhaupt auftauchen, sondern Szenen aus Horror-Stummfilmen wie Nosferatu, aber auch Szenen von Konzerten in denen Leute einfach Spaß hatten. Und sich küssten, während Freddie sang: “Why can’t we give Love that one more chance”. Aus einer Beziehung kommend, die leider nicht so schön endete, wie sie knapp vier Jahre war, waren diese Worte Balsam auf meinem geschundenen Herz. Dazu der Text von David Bowie:

Cause love’s such an old-fashioned word
And love dares you to care for
The people on the edge of the night
And love dares you to change our way of
Caring about ourselves
This is our last dance
This is our last dance
This is ourselves
Under pressure

Auch wenn du es nicht lesen wirst, Ceren – du bist der Grund, warum ich “Under Pressure” auch heute noch, knapp zehn Jahre später, abgöttisch liebe. Und damit ist auch dieses Geheimnis gelüftet.

Doch ich habe noch viele, viele andere Favoriten. Natürlich “Bohemian Rhapsody”, bei welchem Queen beweisen, dass Rock und Opera einfach fantastisch harmonieren können. Kaum ein Song hat so eine positive Energie wie “Don’t Stop Me Now”, welches im Übrigen das Lieblingslied meiner Mutter ist. Wer kann es ihr bitte auch verübeln? Auch Google benutzte den Song einst für ihr Doodle zum 65. Geburtstag von Freddie vor vier Jahren. Inzwischen habe ich sogar das komplexe “Innuendo” schätzen gelernt, welches ich als Kind abgrundtief gehasst habe – weil ich es nicht verstanden habe. Und auch jetzt tue ich mich schwer damit, erkenne aber den künstlerischen Anspruch daran. Und auch heute entdecke ich immer noch Queen-Songs, die ich vorher nicht kannte, über andere Medien.
“You’re My Best Friend” ist mir im Film “Shaun of the Dead” erstmals aufgefallen. “Death on Two Legs” habe ich in Rock Band gespielt. “Save Me” war großartig im Musical “We Will Rock You”. Und erst 2014 veröffentlichte man mit “Queen Forever” ein weiteres Album mit ungenutzten Stimmaufnahmen von Freddie Mercury, sowie ein paar neu abgemischten, älteren Songs. Die Lead-Single “Let Me in Your Heart Again” wurde bereits 1983 aufgenommen, als Track für das Album “The Works”. Der Song wurde allerdings nie zu Freddies Lebzeiten vollendet, allerdings haben sich Brian May und Roger Taylor, Queens Gitarrist und Schlagzeuger, knapp 20 Jahre später zusammengesetzt und aus dem vorhandenen Material einen Song geschaffen, der immer noch erstklassig ins Portfolio der Band passt.

Queen und damit auch Freddie Mercury haben Weltgeschichte geschrieben und sind seit den 70er Jahren nicht aus dem Entertainment-Bereich wegzudenken. Wieviel besser wurde der Film “Wayne’s World” bitte alleine dadurch, dass Wayne und Garth auf dem Weg zu einem Konzert “Bohemian Rhapsody” in ihrem Auto singen? Das Spiel “DJ Hero” wurde erst so richtig interessant, als im Trailer ein Mash-Up aus “We Will Rock You” und Daft Punks “Robot Rock” lief. Und ja, ich bereue es ein wenig, dass ich nicht die Gelegenheit wahrgenommen habe, als die Reste von Queen, also Brian May und Roger Taylor zusammen mit Paul Rodgers oder Adam Lambert am Mikrofon auf Tour waren. Aber das sind eben auch nur 50% der originalen Bandbesetzung. Ich halte besonders Lambert nicht für einen schlechten Sänger, aber er ist eben kein Freddie Mercury.

24 Jahre sind vergangen. Damit mehr als zwei Drittel meines bisherigen Lebens. Und dennoch vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht irgendein Lied von Queen höre. Es vergeht kein Tag, an dem nicht an Freddie Mercury gedacht wird. Ein Mann, der sein Leben auf der Überholspur lebte. Wenn die Kameras liefen und er auf der Bühne stand, konnte ihm Niemand das Wasser reichen. Ein Mann, der so unglaublich talentiert war, dass er selbst 24 Jahre nach seinem Tod noch immer Generationen an Künstlern prägt, ob als Darsteller auf der Bühne oder mit einem Klavier und einem Stift am Klavier.

I won’t be a rock star. I will be a legend.

Das bist du, Freddie Mercury. Das wirst du immer sein.

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