Events

Eurovision Song Contest 2015: Das 2. Halbfinale

Nach dem Halbfinale ist vor dem Halbfinale, denn heute ist es schon wieder soweit und die nächsten 17 Länder werden darum antreten, ins Finale des 60. Eurovision Song Contests am Samstag einzuziehen.

Ich habe vorgestern das erste Halbfinale nicht gesehen, war aber schon deutlich überrascht, dass es Mazedonien nicht geschafft hat. Gleiches gilt für Finnland. Stattdessen weiter sind Armenien, Belgien, Griechenland, Estland, Serbien, Ungarn, Russland, Albanien, Rumänien und Georgien. Doch genug von dem Vorgeplänkel, hören wir mal in die anderen Halbfinalisten hinein.

01. Monika Linkytė & Vaidas Baumila – “This Time” für Litauen
Das erste Duett von Linkytė und Baumila. Während die Erstgenannte in den vergangenen fünf Jahren immer wieder versucht hat, beim ESC teilzunehmen, hat sich Vaidas in den vergangenen Jahren mit mehreren Soloalben in der Heimat einen Namen gemacht.
“This Time” ist ein Uptempo-Folk-Song, der gute Laune versprühen will und das sogar ganz gut schafft. Mir geht der Song gut ins Ohr, würde ich mir sogar abseits des Contests anhören – was gleichzeitig bedeutet, dass es der Song wohl schwer hat, ins Finale zu kommen. 😉 Nein im Ernst, ich mag es, wobei die Bühnenshow auch dementsprechend wirken muss. Aber ein guter Start ins Halbfinale.

02. Molly Sterling – “Playing with Numbers” für Irland
Noch nie hat Irland eine jüngere Teilnehmerin ins Rennen geschickt, denn die Popsängerin aus Puckane hat gerade erst ihren 17. Geburtstag gefeiert. Hat allerdings eine erstaunliche Stimme für das Alter. “Playing With Numbers” ist eine klassische, seichte Klavierballade, die Sterling gemeinsam mit Greg French sogar selbst geschrieben hat. Schön zu sehen, dass sich die Iren auf tatsächliche Stärken berufen und nicht wieder so einen Unsinn wie Jedward oder Dustin the Turkey ins Rennen schicken. Allerdings ist halt die Frage, wie sowas in Europa ankommt. Zu seicht? Zu klassisch? Siegeschancen halte ich für sehr gering, selbst das Finale sehe ich nicht als garantiert, was schade wäre. Das Lied ist nicht schlecht.

03. Michele Perniola & Anita Simoncini – “Chain of Lights” für San Marino
Perniola und Simoncini sind ehemalige Teilnehmer des 2013er und 2014er Junior Eurovision Song Contests – ja das gibt es. Und da hätten sie auch bleiben sollen. Das “Musical” ist dermaßen billig produziert, dass ich an dieser Stelle innehalten muss. Ich glaube ich habe an dieser Stelle den bisher schlechtesten Song im Contest gefunden. “Chain of Lights”, meine treuen Leser. Wenn das weiterkommt, raste ich aus.

04. Knez – “Adio” für Montenegro
Nenad Knežević ist ein fast 50-Jähriger Sänger aus Montenegro – und traditioneller geht es kaum. Eine ganz, ganz stereotypische Ballade aus dem Balkan, die – zum Glück – auch in der Landessprache gesungen wird. So traditionell, dass es mir schon positiv auffällt. Wer auf Balkan-Pop steht, wird dieses Lied abfeiern. Und ab und an kann ich mir das auch geben, bis heute halte ich Songs wie “Lejla” von Hari Mata Hari (Bosnien & Herzegowina 2006) und “Lane moje” von Željko Joksimović (Serbien & Montenegro 2006) für zwei der besseren Beiträge der jüngeren ESC-Geschichte. Ich mag es und würde mich freuen, das noch einmal im Finale zu hören.

05. Amber – “Warrior” für Malta
Warrior – die Zweite. Dieses Mal nicht aus Georgien, sondern aus Malta. Gesungen von der 23-Jährigen Amber Bondin, die bereits seit 2011 jedes Mal im Vorentscheid ihrer Heimat steht und 2012 mit Kurt Calleja auch bereits beim ESC dabei war – als Backgroundsängerin.
Für einen Song namens “Warrior” fehlt ihr meiner Meinung nach die Power, auch der Song lamentiert sich so ein wenig um Höhepunkte herum. Lustig eigentlich, denn erstmals in der Geschichte Maltas durfte der Song sogar nachträglich geändert werden. Hat leider nicht viel gebracht. Ist okay, aber auch okay, wenn die drei Minuten vorbei sind.

06. Mørland & Debrah Scarlett – “A Monster Like Me” für Norwegen
Das nächste Duett, dieses Mal aus Norwegen. Scarlett und Mørland machen wie so viele andere Duette erstmals gemeinsam auf sich aufmerksam und bringen dabei natürlich eine Ballade. Tatsächlich so minimalistisch wie nur möglich gestaltet ist das Highlight tatsächlich in meinen Ohren im letzten Drittel zu finden. Gezupfte Streicher, yeah! Tatsächlich baut sich der gesamte Song enorm auf und zeigt besonders den Nulpen von San Marino, wie man eine epische Ballade macht. Gefällt mir und kann herausstechen, sollte meiner Meinung nach locker für das Finale reichen.

07. Leonor Andrade – “Há um mar que nos separa” für Portugal
Teilnehmerin bei The Voice Portugal, Schauspielerin in einer Telenovela. Für ihre 20 Jahre hat Leonor Andrade schon einiges in ihrem Lebenslauf stehen – Siegerin des ESC wird in diesem Jahr allerdings nicht dazukommen. Aktuell wird der Song bei den Wettbüros am schlechtesten gehandelt, was ich ehrlich gesagt nicht verstehen kann. Einen Bonuspunkt gibt es alleine schon für den Gesang in der Landessprache. Es ist aber nicht so schlimm, dass man nicht versteht, was sie eigentlich sind, denn der Song ist wirklich nicht besonders. Dudelt vor sich hin, ist irgendwann vorbei. Und für das Finale wird das auch nicht reichen. Ist das eigentlich der Titelsong der Telenovela? Könnte gut passen.

08. Marta Jandová & Václav Noid Bárta – “Hope Never Dies” für die Tschechische Republik
Ich glaube dies ist das erste Mal, dass nicht nur eine Teilnehmerin eines Bundesvision Song Contests beim Eurovision Song Contests mitmacht (anders herum ist es letztes Jahr mit Max Mutzke passiert), sondern die Die Happy-Sängerin Marta ist auch noch eine Gewinnerin des BuViSoCos. Mit Oopmh! und “Träumst du?”. Wer weiß das noch? Václav Bárta ist ein Sänger, der auch total nach hartem Rock aussieht und klingt – wie kann es dann bitte passieren, dass bei solch einer Kollaboration so ein stinklangweiliger 08/15 Weichspüllulli herauskommt? Bin richtig enttäuscht. Lahm, wird nichts. Schade.

09. Nadav Guedj – “Golden Boy” für Israel
Nadav Guedj ist erst 16 Jahre alt und gewann den Gesangswettbewerb “HaKokhav HaBa”, um beim ESC mitmachen zu dürfen. Nachdem er seine Gesangskünste mit Rihanna, Stevie Wonder, Beyoncé und Justin Timberlake präsentiert hat, hat man sich scheinbar irgendeinen billigen RnB-Produzenten aus dem Balkan geschnappt… was bitte ist das? Ich zitiere – und ich achte echt nicht oft auf Texte: “I’m a Golden Boy come here to enjoy – I’m the king of fun let me show you we do it. I’m a Golden Boy come here to enjoy – and before I leave, let me show you Tel-Aviv”. Nein, einfach nur nein.

10. Aminata – “Love Injected” für Lettland
Aminata Savadogo versuchte bereits letztes Jahr für ihr Heimatland anzutreten, scheitete aber im Vorentscheid. Dieses Mal hat es mit ihrem außergewöhnlichen Mix aus Pop, Electro und RnB gereicht und ich bin echt erstaunt. Trifft meiner Meinung nach gut den Zeitgeist, gefällt meinen experimentiellen Ohren sehr gut. Ist definitiv etwas Anderes, was ich so auch nicht im Contest erwarten würde. Definitiv mutig, so etwas ins Rennen zu schicken. Wird in keiner Welt den Geschmack Europas treffen und sehr viele Leute werden das richtig mies finden – ich finde es tatsächlich gut. Weiter so!

11. Elnur Hüseynov – “Hour of the Wolf” für Aserbaidschan
Elnur Hüseynov hat bereits 2008 für Aserbaidschan beim ESC teilgenommen, gemeinsam mit Samir Javadzadeh durfte man sogar für das Debüt für das arabische Land sorgen. “Day After Day” landete damals auf Platz 8, doch eine gemeinsame Zukunft gab es nicht. 2014 nahm Hüseynov dann an der türkischen Version von The Voice – O Ses Türkiye – teil und gewann den Wettbewerb mit Beiträgen von Disclosure, Bee Gees und Daft Punk. Anschließend wurde er von Aserbaidschan wieder für den ESC angemeldet und präsentiert einen aufwendig produzierten Popsong, der absolut nichts mit orientalischen Einflüssen zu tun hat. Ich finde es in Ordnung, passt zum Wettbewerb, nervt nicht und darf gerne im Finale noch einmal erklingen. Talent hat der Mann auf jeden Fall.

12. María Ólafs – “Unbroken” für Island
Die recht unbekannte Sängerin aus Island ist erst 22 Jahre alt und präsentiert ebenfalls einen recht typischen ESC-Song. Pop, bisschen pompös. Ein paar Trommeln. Ruhephasen, dann wieder nach vorne. Ganz im Ernst, dazu gibt es einfach nicht viel zu sagen, der Song ist halt da, ist quasi der Prototyp eines Eurovision-Songs und dann ist er auch wieder vorbei. Ist okay. Der nächste Song bitte.

13. Måns Zelmerlöw – “Heroes” für Schweden
Måns Zelmerlöw ist in Schweden kein Unbekannter. Der Sänger nahm bereits mehrmals am Melodifestivalen teil, was der schwedische Vorentscheid ist – gewann Let’s Dance, sang sich bei Idol 2005 auf den fünften Platz und hat scheinbar verstanden, was man in Europa hört: EDM.
Ehrlich, der Song hätte auch aus der Feder von Avicii stammen können, was absolut kein Problem ist. Mit entsprechender Bühnenshow wird der Song seiner Favoritenrolle – die Buchmacher sehen ihn oben – absolut gerecht. Bisher gefällt mir der Song auch aus diesem Halbfinale am Besten. Er ist tanzbar, man kann mitsingen, er ist ordentlich produziert. Beide Daumen nach oben!

14. Mélanie René – “Time to Shine” für die Schweiz
Mélanie René stammt aus Genf und hat soweit ich das überblicken kann zur Abwechslung mal nicht vorher versucht, irgendeinen Vorentscheid oder Wettbewerb zu gewinnen. Ein ganz frisches Gesicht mit einem merkwürdigen Song, bei dem ich nicht ganz verstehe, was er sein will. Irgendeine Ethno-Flöte im Refrain, ein Gitarrensolo, elektronische Dubstep-Beats. Eigentlich das Sinnbild, dass man auch vollkommen am Thema vorbei experimentieren kann. Nichts, was wirklich im Ohr bleibt und ich verstehe den Text auch nicht – wieso feiert sie sich denn die ganze Zeit selbst? Muss man sich nicht geben, den Song.

15. John Karayiannis – “One Thing I Should Have Done” für Zypern
Nachdem John – oder Giannis Karagiannis (geilster Name überhaupt) wie er eigentlich heißt – es 2007 und 2008 nicht geschafft hat, als Knabe beim Junior Eurovision Song Contest mitzumachen, hat er “More than Words” auf Dauerschleife gehört und eine eigene Gitarrenballade geschrieben. Finde ich eigentlich ganz niedlich, auch wenn die Hipster-Brille nicht davon ablenkt, dass der Song halt auch nichts Weiteres ist, als niedlich. Sticht ein wenig zwischen den ganzen auf Episch getrimmten Songs hervor, könnte demnach für das Finale reichen, aber Siegeschancen rechne ich dem Song nicht zu.

16. Maraaya – “Here for You” für Slowenien
Maraaya sind Marjetka Vovkb und Aleš “Raay” Vovk, die im Gegensatz zu den ganzen anderen Duos bereits seit 2014 gemeinsam Musik machen. Laut der englischen Wikipedia hatten sie mit ihrer ersten Single “Lovin’ Me” – ich zitiere – einen “big success at dance and iTunes music charts in […] Germany”. Aha? Noch nie davon gehört. Jedenfalls produziert Raay eigentlich auch nur und Marjetka singt mit leicht quäkiger Stimme. Der Song ist Uptempo-Pop, leichte Swing-Einflüsse für das Tanzbein. Habe tatsächlich Schlimmeres erwartet, aber Slowenien könnte sich damit das Ticket für das Finale gesichert haben. Ist nett, kann man sich anhören.

17. Monika Kuszyńska – “In the Name of Love” für Polen
Der letzte Beitrag im zweiten Halbfinale stammt von der ehemaligen Sängerin von “Varius Manx”, Monika Kuszyńska. Die Band war in der Heimat sogar eine recht große Nummer, zehn Alben, davon acht mit bahnbrechenden Titeln wie “Emu”, “Elf”, “Ego”, “End”, “Eta” “Eno” und so weiter. Nun ist Monika solo unterwegs und präsentiert zum Abschluss noch einmal so einen pompösen Popsong, der den Stempel “Eurovision” ganz stolz mit sich herumträgt. Gehört und vergessen. Nichts Besonderes und bei der Konkurrenz wahrscheinlich auch nicht im Finale.

Fazit:
Wenn es denn nach mir geht – und wir haben beim letzten Halbfinale (WO IST MAZEDONIEN?) gesehen, dass es nicht nach mir geht – dann würde ich folgende Länder gerne im Finale sehen:

Slowenien, Zypern, Schweden, Aserbaidschan, Lettland, Norwegen, Montenegro, Irland und Litauen. San Marino soll bitte mit keinem einzigen Anruf abgestraft werden. Generell kristallieren sich aus gutem Grund bei den Buchmachern Länder wie Schweden als Favoriten heraus, weil sie einfach herausstechen. Viel Einheitsbrei dabei, nur wenige Highlights, doch da ich mir die Halbfinale nicht anschaue, um beim Finale wirklich unvoreingenommen die Bühnenshows zu sehen, bin ich gespannt, wer wirklich weiterkommt und wie die Songs dann präsentiert werden.

Am Samstag schauen wir uns dann die restlichen Finalisten genauer an!

Previous Post Next Post

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply