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20 in 2017: Sampha – “Reverse Faults”

Sampha – “Reverse Faults”
aus dem Album “Process”

Zwischen all dem Indie Rock und – wie ich letztens gelernt habe – Alt-Pop (also alternativen Pop, der zwar nach Pop klingt, aber nicht massentauglich ist oder sowas) auf den ich so stehe, verirrt sich manchmal ein komplett unkonventioneller Song in meine Playlists. Da sind so etwas wie Everything Everything noch die harmloseste Variante, Post-Rock à la Mogwai schon komplexer. Aber in welche Sparte fällt bitte Sampha?

Ich zitiere aus meiner damaligen Vorstellung beim wundervollen Weekday Wire:

Fünf Jahre voller Kollaborationen mit Musikern wie Jessie Ware, Drake, Katy B, Kanye West, Solange oder Frank Ocean sind genug. Nach zwei EPs, bei denen er versuchte, seinen eigenen Sound zu finden, hat Sampha ihn endlich gefunden und mit seinem Debütalbum „Process“ einen ersten Kandidaten für das Album des Jahres veröffentlicht.

Zumindest für die Szene, die allgemein als NeoSoul bekannt ist, in der alternativer R&B auf Electro trifft. Wummernde Bässe, ausgefeilte Beats, Gesang voller Emotionen. Ein komplexes Abenteuer durch das bisherige Leben des Künstlers, der seine komplette Bandbreite, sein gesamtes Talent präsentiert.

Der Standout-Track des künstlerisch sehr anspruchvollen Debüts ist in meinen Augen „Reverse Faults“, der nicht nur ins Ohr geht, sondern auch den Zeitgeist der englischen Musikszene trifft. Zwischen James Blake, Jamie Woon, SBTRKT, den Solo-Werken von Jamie xx baut sich da eine Bewegung auf, die sicher von australischen Künstlern wie Flume oder Jarryd James beeinflusst ist, aber dennoch ihren eigenen Charme hat.

Auf dem Album befinden sich mit Songs wie “Blood On Me” durchaus massentaugliches, geradezu radiofreundliches Material. “(No One Knows Me) Like the Piano” ist eine wunderschöne Ballade voller Emotion und Verletzlichkeit. Doch meine beiden Lieblingstracks sind “Plastic 100°C” und mein erster Berühungspunkt “Reverse Faults”, die so dermaßen voller Spielereien stecken, dass ich jedes Mal ein neues Instrument entdecke, eine neue Lieblingsstelle. Sie klingen so tief, als würde Sampha den Hörer direkt in seine Seele lassen, seine Fehler und seinen Weg aufzeigen. Sampha ist eine meiner absoluten Neuentdeckungen in diesem Jahr und ich bin gespannt, wie er sich in den kommenden Jahren präsentieren wird.

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